Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-12-01
- Page
- 553 (sequence 2)
- Language
- German
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Amsch.au. 5r>:» müssen. Wann wird der Rolandsruf erschallen, der die ^Redlichen zusammenführt zum Kampf gegen Juden und Sozialdemokratie?" Wie wenig ernst dieser antisemitische Schlachtruf gegen die Sozialdemokratie gemeint ist, hat die Agitation gezeigt, die der Acrchrvahl inr 1. berliner Keichstagswablkvers vorausgegangen ist. Die Aufstellung des aussichtslosen Kandidaten Rechtsanwalt Ulrich und die damit verbundenen Quertreibereien machten es klar, daß es den Antisemiten nur darauf ankam, dem Freisinnigen das Mandat zu entreißen. (Line waschechte Probe der antisemitischen Kampfesweise bot der Leitartikel der „Staatsbürger -- Zeitung" vom 5. Rovembrr, dem Wahltage: „Keine Stimme für KaempsN" Dort fanden sich u. a. die jedes Mißverständnis ausschließenden Sätze: „Aus dem Gemauschel Zions in die Sprache des Z i o übersetzt, des altgermanischen Sonnengottes, deuten wir dies „Glückauf" (in einer Aenßernng Von Walter Steinthal) in unserem Sinne: „Glückauf zum Kämpf um den Schloß-Kreis!! Schlimm, sehr schlimm, wenn er zum Düwe-l ginge! And dennoch Glückauf! Fa, denn wenn der Anwalt der Rechten, der Rechtsanwalt Ulrich, auch unterliegen sollte gegen die Aebermacht — sein tapferer Kampfrsmnt wird allen wehrhaften Teutonen Angen und Brüste öffnen, selbst auf die Gefahr hin, dem „Herzen des Monarchen" unverständlich zu bleiben. Denn das Herz des Monarchen ist verzaubert von Lockgesängen der^,Schutzjudeu. Menetekel! Die Schatten der Kaiser und Könige tauchen auf, die den Iudenblättern erlagen — in Frankreich, tu Portugal, in der Türkei. Wer kann diese Schatten bannen?" An diesen Wink mit dem Laternenpfahl knüpfte der Artikel eine bunte Reihe von Schmähungen, die gegen „Kaempf und die Kaempflente" gerichtet waren. Der Artikel schloß mit den Worten: „Wählt keinen Raub-Anwalt, sondern einen Rechts-Anwalt Alrich!" Was dabei bezweckt wurde, konnte der intelligenten Berliner Wählerschaft nicht zweifelhaft sein: durch die Aufstellung eines aussichtslosen Kandidaten eine Stichwahl herbeizuführen und das Mandat lieber dem Sozialdemokraten in die Hände zu jpteieu, als es den Liberalen zu überlassen. Der Plan mißlang. Der konservativ-antisemitische Kandidat erhielt nur 587 Stimmen, und der freisinnige Kandidat Dv. Kaempf wurde gleich im ersten Wahlgang mit 4888 Stimmen gewählt. Die Spiegelfechterei der Losung „Gegen Inden und Sozialdemokratie" mußte ohne Wirkung bleibett, weil die Zugehörigkeit zum Judentum für keine Fraktion verpflichtet, sondern nur dazu, jede Kandidatur zu bekämpfen, durch die eine kultur-