Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-12-01
- Page
- 552 (sequence 1)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. (7% er Herausgeber der „Politisch-Anthropologischelr Revue", I)r. Schmidt-Giebichensels, behandelte kürzlich tu einer Verscunmlung der Berliner Ortsgruppe des „Alldeutschen Verbandes" das Thema „Der Krieg als Schöpfer und Erhalter der Staaten" und suchte nachzuweisen, daß die kriegerische Form für Staat und Gesellschaft aufbauend, befestigend und erhaltend wirke. Derartige, neuerdings häufige alldeutsche Kundgebungen }h\h besonders den radikalen Antisemiten willkommen. Sie betrachten eine kriegerische Stimmungsmache als das Mittel, die Massen nicht gegen auswärtige Feinde zu entflammen, sondern gegen die jüdische Bevölkerungsminderheit, obgleich die Juden, wenn es die Verteidigung des deutschen Vaterlandes gilt, sicher keine Opfer scheuen, sondern sich als echte deutsche Staatsbürger erweisen werden. Was die „Staatsbürger-Zeitung" herbeiwünfcht, hat sie deutlich mit den Worten kundgegeöen: „Damals ging es nur um deu Kampf der Geister, die Gedankenfreiheit, heute gilt es den Kampf der Rassen, den Kampf um baß Blut und die Erde, ohne die man sich die Geister nicht mehr denken kann." Für einen solchen Kampf in einem Staate zu werben, dessen Bevölkerung den verschiedensten Rassen entstammt, kann nur die antisemitische Partei unternehmen, die seit langer Zeit ihre anarchistischen Endziele mit monarchistischen Phrasen übertüncht. Jetzt aber hält sie diese Tünche nicht mehr für nötig; jetzt zollt sie zwar selbst dem Plane der „Kultivierung" der „Moore und Oedländerein" ihren Beifall, fügt aber die hämische Bemerkung hinzu, aus den Kaiser, dem dieser Plan zugeschrieben sei, habe zwar bisher wie auf Goethes „Faust" „Mephisto-Ahasverus", das Sinnbild d e r ruhelose u , d it st e r e n R a sse, den größten Einfluß gehabt, er besinne sich aber wie jener im Alter aus seine Lebensaufgabe durch Ablenkung des Stromes abwandernder Landbewohner nach Reuland in preußischen Marken. Das Trugbild eines nie vorhanden gewesenen jüdischen Einflusses benutzt die „Staatsbürger-Zeitung" auch zur Aufreizung gegen die gesamte Regierungspolitik: sie veröffentlicht einen von dem antisemitischen Abg. I)r. Werner-Gießen verfaßten „Offenen Brief an den Reichskanzler", in welchem u. a. gesagt wird: „Viel tausend Herzen harren bei den verantwortlichen Spitzen der Erkenntnis, daß wir Schutz der Grenzen und rücksichtslosen Kampf gegen die liberalen n u d roten Geschäftsträger des . j ü d i s ch e n Volkes haben