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Im deutschen Reich · 1912-12-01 · Heft 12 (Dezember 1912) · p. 550

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 12 (Dezember 1912)
Article
Das Verhalten der Christen gegenüber den Juden
Date
1912-12-01
Page
550 (sequence 3)
Language
German
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550 Fm deutschen Reich. ruhig ertragen, wenn sie uns versagt wird. Die christlichen Mitbürger werden sich nie über Lieblosigkeit von jüdischer Seite zu beklagen haben. Wer weder Liebe noch Haß, weder Lockung noch Furcht sollen die Juden veranlassen, ihre religiöse Aeb^rzeugung zu verleugnen oder für das Linsengericht bedingungsloser Zulassung zu öffentlichen Remtern oder der gesellschaftlichen Gleichberechtigung zu verkaufen. Der Verfasser des Artikels „Das Verhalten der Christen gegen die Juden" hat zwar selbst ein Verdarnmungsurteil über die Juden ausgesprochen, die nur aus Nützlichkeitsgründen die Dause begehren, aber sich dennoch auf den Standpunkt derer gestellt, welche „die Hoffnung auf die Christianisierung ihrer jüdischen Mitbürger nicht sinken lassen". - Was die Angerechtigkeit in Jahrtausenden nicht vermocht hat, das möchte er durch Erfüllung einer Verpflichtung erreicht sehen. Cr halt dies für möglich, weil — wie er sagt — „fron dem Augenblick an, da ein Lesfing als Freund der Juden auftrat, sich einst eine Annäherung des israelitischen Denkens an das christliche und eine starke Erweichung des gesetzesharten Judentums vollzog". Das damalige traurige Schauspiel der Fahnenflucht der durch die Oeffnung der Ghettotore Geblendeten wird sich hoffentlich nie wiederholen. Für die Abtrünnigkeit kann der Jude, ohne an die Toleranz zu appellieren, auch heute schon alles erreichen, was dem glaubenstreuen Juden nach dem Toleranzgesetz vom Jahre 1868 gerechterweise nicht vorenthalten werden dürfte. Das Judentum ist nicht „gefetzeshart", es verlangt von seinen Bekennern nur „Gesetzestreue" und erwartet sie auch vom deutschen Volk ohne die Zumutung der Treulosigkeit. Liebe läßt sich nicht erkaufen, aber uns ist allumfassende Liebe eine religiöse Pflicht durch die Weisungen: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" „Liebe den Fremdling, denn Fremdlinge wäret ihr selbst in Aegypten!", „Die Frommen aller Völker haben Anteil am ewigen Leben!" Unsere „allgemeine" Menschenliebe beschränkt sich nicht auf die, welche uns durch Abstammung oder Religionsbekenntnis näher stehen, der Nächste ist uns jeder Mensch. Den lieben wir, ohne auf Gegenliebe zu rechnen, denn der wahre Jude ist von der Empfindung durchdrungen: „Wenn ich dich liebe, was geht es dich an?" Wenn einzelne Inden unter dem entsetzlichen Eindruck russischer Pogrome, bei denen sie Anmenschliches dulden oder auch nur erschauen mußten, das Hassen gelernt haben, finden wir das erklärlich, weisen es aber für uns und für die Gesamtheit der Juden aufs schärfste zurück. Mit solchen Leuten haben wir Mitleid, aber keine Gemeinschaft, -denn uns gilt das Wort der Antigone: „Nicht mitzuhassen, mitzu lieben sind wir da!" Ein in Hamburg

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