Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- Das Verhalten der Christen gegenüber den Juden
- Date
- 1912-12-01
- Page
- 551 (sequence 4)
- Language
- German
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Das Verhalten der Christen gegenüber den Juden. 551 wohnhafter Herr Lheskel Zwi Klötzel hat den traurigen Mut besessen, in der Halbmonatsschrift „Janus" „Das große Hassen" mit der Fudenfrage durch folgende Sätze in Verbindung zu bringen: „Wie im innersten Herzen eines jeden Christen das Wort „Jude" kein völlig harmloses ist, so ist jedem Juden der Nichtjude der „Goi", was beileibe keine Beleidigung ist, aber ein deutliches, nicht mißzu - verstehendes Trennungszeichen. Und seien wir offen: Wir mögen den einzelnen Nichtjuden noch so hoch schätzen, wir mögen mit ihm befreundet und sogar verschwägert sein, das Nichtjudentum als unpersönliche Masse, Geist, Wirkungssphäre, Kultureinheit, das stellt ein jeder von uns — wer wagt das zu leugnen! — hinter das Judentum! Ich glaube, man könnte beweisen, daß es im Judentum eine Bewegung gibt, die das getreue Spiegelbild des Antisemitismus ist, und ich glaube, dieses Bild würde vollkommen werden wie nur je irgendeins. And das nenne ich das „große jüdische Hassen". Vielleicht ist dieser Ausdruck zu hart, oder besser: zu unpräzise. Aber es liegt mir daran, um keinen Preis die Wahrheit abzuschwächen,' gebe ich zu, daß es kein Hassen ist, ft muß ich doch darauf bestehen: Ist's kein Hassen, so kommt's doch dem Hassen am nächsten; drum laßt's mich Hassen nennen. Wer unter uns kein seelischer und geistiger Kastrat ist, wer nicht überhaupt impotent ist, zu hassen, der h a L a n d i e s e m Haß teil!" Nun — w i r haben au diesem Hasse keinen Teil; wir halten fest an dem Judentum, dessen Vorschriften lauten: „Du sollst dich nicht rächen und keinen Zorn nachtragen!" Leute wie Herr Cheskel Zwi Klötzel scheinen gar keine Vorstellung davon zu haben, wie gewissenlos sie handeln, wenn sie ihre verbitterten, rein persönlichen Anschauungen einem großen Leserkreise als allgemeine jüdische Empfindungen bezeichnen. Das sind diese Anschauungen nicht; das können sie nicht sein, eben weil sie unjüdisch sind. Wir und Tausende mit uns wissen von diesem vermeintlichen Christenhasse absolutnichts. Man kommt fast auf die Vermutung, daß hinter solchen Aeußerungen gar keine wirkliche Reberzeugung steckt, sondern nur Effekthascherei und Sucht nach Paradoxen. „Das Verhalten der Christen gegen die Juden" wird sich hoffentlich immer nach dem „Verhalten der Juden gegen die Christen" richten; das aber soll und wird immer die Wahrheit des Satzes bekunden: „Nicht der Haß, nur die Liebe überwindet!" A. L.