Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- Wenn ich der Kaiser wär
- Date
- 1912-12-01
- Page
- 542 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
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542 Jur deutschen Reich. lichen Verachtung der Kriegsgefahren aufzuweisen, sowie die übrigen Einwohner, namentlich auch die Frauen, in Aufopferungen jeder Art den Christen sich angeschlossen haben." Dem Verfasser der Schrift „Wenn ich der Kaiser war" liegen derartige gerechte Gesinnungen offenbar deshalb fern, weil ihm der historische Sinn völlig abgeht, eine Wahrnehmung, die auch an anderen Stellen seiner Schrift keinem unbefangenen Leser entgehen wird. Für seine Ausführungen kann man mit vollstem Rechte das Arteil in Anwendung bringen, das der Geheime Iustizrat Or. Eugen Fuchs in seinem Vortrage „Zur Jahrhundertwende des Emanzipationsedikts" über ähnliche Auslassungen gefällt hat: „Es kommt vor allem ein Knechtessinn zum Ausdruck, der sich an Schillers großem Worte versündigt, daß eine Freiheit uns Alle frei macht. Ist der Mensch frei und wäre er in Ketten geboren, so ist die Anerkennung des Menschenrechts und der Menschenfreiheit kein Gnadengeschenk, das den Empfänger zu ewiger, demütiger Dankbarkeit verbindet, sondern die Versagung des Menschenrechts ist eine Versündigung am heiligen Geist, die den Versagenden schände t." Ferner sagt F r y m a n n: „Nun sind Deutsche und Juden ihrem innersten Wesen nach wie Feuer und Wasser; solange unser Volksleben moralisch gesund war, gab es nichts Verschiedeneres als die deutsche und die jüdische Lebensauffassung." So lange des Deutschtum noch nicht durch die Kreuzzüge von dem.religiösen Fanatismus ergriffen und durch die heftigen Kämpfe zwischen Her Kirche und dem Kaisertum zersplittert war, ließ sich von einem Widerspruch zwischen Deutschtum und Judentum so wenig bemerken, daß geistliche Würdenträger zurzeit Ludwigs des-Frommen eine förmliche Assimilation befürchteten. Frymann behauptet: „Der Deutsche steht über dem Besitz, bleibt ihm gegenüber innerlich .frei und beweist seine Freiheit, indem er sich ausleben will ohne Rücksicht auf den wirtschaftlichen Erfolg. Ehre, Anabhängigkeit, .Eigenwilligkeit sind die Triebfedern seines Handelns, das oft unzweckmäßig sein mag, aber jedenfalls eine Gedankenrichtung beweist, die nicht allein „von dieser Welt" ist; der Jude aber stellt sein Leben unter die Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit; der Erwerb, der Besitz sind ihm alles; ihnen gegenüber ist er unfrei; ihnen ordnet (er seine ganze Persönlichkeit unter. Kein Wunder, daß Menschen mit solchen Eigenschaften, wenn ihnen einmal gleiches Recht verliehen ist, im Wirtschaftsleben anders ausgerüstet dastehen