Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- Der Ausklang der "Kunstwartdebatte"!
- Date
- 1912-12-01
- Page
- 537 (sequence 5)
- Language
- German
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Der Ausklang der;,KunstwarLdebaLte"! 537 sich über die traurigen Aniversitätsverhältnisse in der letzten Denkschrift beschwert, und geschickt weiß er der Sache den „Dreh" zu geben — den er bei einem Juden als talmudisch bezeichnen würde —, daß wir Juden über den mangelnden Linsluß des jüdischen Elements klagen. Für Herrn Stausf mag es ja seltsam klingen, aber das ändert nichts an der Tatsache, daß diesen Verband wie alle anderen nichts und wieder nichts leitet wie der Gedanke an das Recht! Kann er Nachweisen, daß wir jemals eine Bevorzugung eines ungeeigneten Juden verlangt haben? Die Zurücksetzung der Befähigten beklagen wir, den Kult, der mit Rassen- und Religionsangehörigkeit getrieben wird, die Einflüsse, denen gegenüber die tüchtigste persönliche Leistung zurückstehen muß. Wer überhaupt den Willen hat, Deutschland zu einem wirklichen Rechtsstaat zu machen, der hat nicht nur Verständnis für die Bestrebungen dieser Organisationen, sondern er billigt sie auch, sei er Jude oder Christ! Dem Rabbinerverband, einer Fachvereinigung von Berufsgenossen zur Förderung des religiösen Sinns und zur Vertretung von Berufsinteressen, schleudert Staufs die allgemein gehaltene und vielsagende Beschuldigung entgegen, er stände der arischer: Welt gegenüber einig da! Wir bitten um etwas mehr Deutlichkeit! Und dann kommt unser Centralverein! Daß Staufs auf ihn nicht gut zu sprechen ist, kann man ihm gewiß nicht übel nehmen, obwohl er von seinen eigenen Erfahrungen nicht spricht, sondern nur den armen Theodor Fritsch beklagt. Zunächst eine tatsächliche Berichtigung, so sehr sie schmerzen möge. Der Centralverein ist nämlich noch schlimmer als Herr Staufs, der genau Orientierte, es schildert; denn er hat nicht 10 000, sondern 35 000 Mitglieder, und mit den korporativ angeschlossenen Vereinigungen vertritt er 150 000 deutsche Juden. Von Fritsch behauptet Stausf, er habe seine Beschimpfungen unseres heiligen Glaubens, für die er nach den Gesetzen öfters bestraft worden ist, belegt! And er fügt hinzu, daß „die Gleichberechtigung der sogenannten jüdischen Religion in D euts ch land eine Schmach ist, weil diese Religion geradezu unglaubliche Lehren birgt, und außerdem nicht nur Seelenbefriedigung bieten will wie die christliche, sondern zugleich tägliches Leben, Verfassung, Recht und Gesetz in sich schließt". Was an letzterem schlimm sein soll, kann man nicht recht verstehen. Was kann denn erhabener sein, als daß das ganze Leben von den Lehren der Religion geleitet wird? Diesen Satz nun, der im übrigen Teile eine unerhörte Beschimpfung der jüdischen Religion enthält, „belegt" Herr Staufs ganz