Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- Der Ausklang der "Kunstwartdebatte"!
- Date
- 1912-12-01
- Page
- 536 (sequence 4)
- Language
- German
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536 Zm deutschen Reich. ferner über soviel Gerechtigkeitssinn zu verfügen vermag, um gegen eine solche wahnwitzige Beschuldigung auch als Christ zu protestieren? Weiß er nicht, daß er durch seine verschleierten Behauptungen Tausende von christlichen, deutschen Männern beleidigt, die gern und freudig gegen den Antisemitenwahn für die Kultur eingetreten sind? Aber auch hier die alte Methode! Behauptungen werden aufgestellt, aber nicht präzisiert, so daß sie nicht zu fassen sind. Wenn Herr Stauff über das Wirken der Alliance so genau orientiert ist, möge er doch einen einzigen Ramen nennen, einen bestochenen Richter, einen Beste Herunter den Juden, eine einzige faßbare Tatsache, um einen realen Boden zu schaffen, auf dem Klarstellung erfolgen kann. Bis dahin muß er es sich gefallen lassen, daß wir glauben, er fei dazu nicht imstande! Dasselbe gilt von den Behauptungen über den „Hilfsverband" der deutschen Juden, von dem der wohlunterrichtete Herr nicht einmal weiß, daß er „Hilfsverein" heißt, dessen Wirken ebenso wie das der Alliance rein wohltätigen Zwecken gilt, über dessen Geldverwendung ebenso wie bei der Alliance öffentlich Rechnung gelegt wird, der übrigens — wie die Alliance von der französischen — von der deutschen Regierung in seinem Lun nach Kräften unterstützt wird. Wir fordern Herrn Staufs, der ja die deutsche Wahrheitsliebe und Offenheit gewiß schätzt, hiermit auf, mit seinem Material herauszurücken. Wenn er weiterhin mit verschleierten Andeutungen operiert, indem er sagt, die Vereine seien „ans ch einend" Hilfsorganisationen, anstatt Tatsachen und Personen zu nennen, so wird sich hie gerecht denkende Welt ihre Meinung über einen solchen Iudenbekämpfer bilden. Es ist geradezu empörend, wenn den Logen, der Alliance und dem Hilfsverein unverblümt vorgeworfen wird, an der Unterjochung des Deutschtums zu arbeiten. Wenn s i e nicht wären, würden Tausende von Juden des Ostens, die heute Kulturwerte schaffen, in Unbildung, Elend und Rot verkommen. Sollen diese armen, bedauernswerten Menschen, für die noch viel zu wenig geschieht, für die auch ein jeder echte Christ tiefstes Mitgefühl empfindet, darum untergehen, weil die Gesinnungsgenossen des Herrn Stauff sie nicht für Menschen halten, ihnen gegenüber jedes Unrecht, jede Roheit, jede Schmach für erlaubt halten? Diese ideal wirkenden Organisationen verleumden, heißt seinem eigenen Menschlichkeitsgefühl das schlechteste Zeugnis ausstellen. Run. kommen jene Verbände an die Reihe, denen der Kampf für d a s R e ch t der Juden obliegt. Dem Verband der deutschen Juden wirft er Anmaßung vor, weil er