Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- Der Ausklang der "Kunstwartdebatte"!
- Date
- 1912-12-01
- Page
- 534 (sequence 2)
- Language
- German
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534 Im deutschen Reich. in jüdischen Fragen bk elementarsten Kenntnisse fehlen, und die. maßlose, jede Vornehmheit verleugnende Art seines Vorgehens verrät, daß. ihm weniger an der Klärung jüdischer Probleme als an der Agitation mr antisemitische Parteizwecke liegt. Nur daß es Herr: Staufs möglich war, sich zu diesem Zwecke des „Kunstwars" bedienen zu können, ist der Grund, warum auch der Centralverein nicht stillschweigend an diesem Falle vorüberge^n kann. Der „Kunstwart" ist eine vornehme, verbreitete, ernfe Zeitschrift, und das hatte auch — mag man sich zu ihren Ergebnissen stellen, wie man wolle> — die durch Goldstein herwrgerufene Aussprache bewiesen. Eine, gegnerische Meinung — und deren gab es ja dabei viele — können wir nun sehr wohl vertragen; hier aber ist etwas anderes geschehen. Stauff hat anfach das Entgegenkommen von AV ena rius mißbraucht, un auch einmal in einer vornehmen. Zeitschrift Dinge sagen;u können, die sonst in Blättern vom Range der „Wahrheit" und der „Staatsbürger-Zeitung" wirkungslos verpuffen, weil sich über deren Charakter jeder klar ist. Nur die Stelle, an der er zu Worte gekommen, ist, macht es also ausnchmsweise erforderlich, daß wir Herrn Staufs entgegentreten. Freilich kommt noch hinzu das merkwürdige Benehmen des Dr. Avenarius, in dem wir sonst einen feinsinnigen und oornehm denkenden Charakter schätzen. Die Tatsachen, daß er dem schwer beleidigten Bergrat G o t h e i n keine Möglichkeit gab, die tief verletzenden Verdächtigungen Stauffs zu widerlegen, zwingen — ohne uns in eine überflüssige Diskussion darüber einzulassen, ob Avenarius Antisemit sei — zu der Annahme, daß er sich mit den Anschauungen Stauffs identifiziert und ein Gleiches von seinem Leserpublikum wünscht. Die schwersten Anklagen erhebt der Artikel gegen unsere jüdischen Organisationen, und zuerst beschuldigt er die Literaturvereine, daß sie nicht das Verständnis für Dichter deutschen Blutes lehren. Stauff urteilt über jüdische Organisationen, ohne sich auch nur im geringsten informiert zu haben, ohne irgend etwas anderes von diesen Vereinen zu kennen als die Namen. Hätte er sich die Mühe genommen, einen Blick in das „Jahrbuch" des Verbandes der Literaturvereine zu tun, so hätte er aus den Vortragsverzeichnissen gemerkt, daß es sich in ihnen vornehmlich um G es Hichtsvereine handelt, welche nichts pflegen wollen wie die Vermittlung der Grundlage aller jüdischen Betätigung, des objektiven Wissens vom Judentum. In diesen Vereinen halten viele christliche Gelehrte Vorträge, und jeder Andersgläubige kann Mitglied werden, wenn er Lust dazu verspürt. Wozu wir überdies, um deutsche Dichter verstehen und