Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 11 (November 1912)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1912-11-01
- Page
- 419 (sequence 10)
- Language
- German
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V er einsnachricht en. 419 worden: „Der Parteitag fordert im Interesse des Gemeinwohls die Verwirklichung der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung und verlangt, daß sonst geeignete Persönlichkeiten nicht mehr wegen irgendwelcher Unterschiede des Glaubens - der Geburt oder der politischen Gesinnung von Aemtern der Reichs- und Staatsverwaltung, vom Offizier- oder Sanitätskorps ausgeschlossen oder bei Beförderung im Reichs- oder Staatsdienst zurückgesetzt werden." In der Begründung hat der Abg. Or. Wiemer erklärt, „daß die Fortschrittliche Volkspartei jede Zurücksetzung von Staatsbürgern um des Glaubens willen zurückweist. Ls gefallen uns auch nicht die studentischeu Korporationen, die prinzipiell Iudenaus schließen. Dadurch wird ein falscher Gei st großgezogen, der dann die Verwaltungsfragen beherrscht. Wir protestieren auch gegen die Bevorzugung des Adels in unserer Armee. Die Reichstagsfraktion hat versucht, eine Art Mindestprogramm auf diesem Gebiete zur Geltung zu bringen. Wir protestieren ferner gegen die Versuche, die Politik in das Heer hineinzutragen) und namentlich wenden wir uns gegen die Einmischung der Bezirkskommandeure. Auch müssen wir verlangen, daß die Politik nicht in die Kriegervereine hineingetragen wird. Wir wenden uns gegen jede konfessionelle Intoleranz in Kirche und Schule. Wir wollen Gewissensfreiheit und keine Ketzergerichte." — Im Maiheft unserer Zeitschrift haben wir auf Grund der Zurückweisung einer jüdischen Bewerberin um eine vakante Stellung in der Firma Bernhard Kotting, Ritterstraße 80, eine Notiz gebracht, in welcher das Bedauern darüber ausgedrückt wurde, daß auch in der Kleinmöbelbranche der Konfessionalismus um sich greife. Inzwischen ist uns aber von einem Vereinsmitgliede der Nachweis geliefert worden, daß weder der Inhaber der Firma Kotting, noch der P r o k u r i st, der über den erwähnten Vorfall nachträglich sein aufrichtiges Bedauern ausgesprochen habe, antisemitischen Tendenzen huldige. * — Die Konfessionalisierung bei der Ausschreibung geschäftlicher Vakanzen scheint auch in Köln Platz zu greifen. II. a. hat bereits vor einiger Zeit die Firma I. Biergans in Köln, Alter Markt 75/79 für die Abteilung Kleiderstoffe eine christliche Verkäuferin gesucht. Neuerdings