Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 11 (November 1912)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1912-11-01
- Page
- 415 (sequence 6)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 415 formte es sich nicht versagen, ihrem Berichte folgende Beleidigungen hinzuzufügen: „In einer solchen Beschwerde liegt eine Unverfrorenheit, die die christliche Bevölkerung in christlichen Landern sich ernstlich verbitten muß, und es ist mehr als befremdlich, daß eine deutsche Negierung einer solchen jüdischen Anmaßung gegenüber versagt hat." Zn einer solchen Entrüstung war aber gar kein Anlaß vorhanden. Im Dezember vorigen Jahres hat unser Badischer Landesverband, die „Vereinigung badischer Israeliten", an die Generaldirektion eine Beschwerde wegen Verteilung eines antisemitischen Flugblattes schlimmster Sorte gerichtet. Dieser Beschwerde wurde stattgegeben. Worauf ein Verbot der Verteilung von Erbauungsschriften zurückzuführen wäre, steht nicht fest. Jedenfalls aber wird die „Deutsche Tageszeitung" schwerlich in der Lage sein, den Nachweis zu erbringen, w o und wann von jüdischer Seite gegen die Verteilung von „christlichen Erbauungsschriften" Beschwerde erhoben worden ist. — Ein Vereinsmitglied in Beuthen berichtet uns: An einem Sonntag schickte ich während der Dienststunden um 8-4 Uhr vorm, an das hiesige Postamt nach einem Nachnahmepaket. Der amtierende Nnterbeamte, der wohl weiß, daß ich jüdisch bin, sagte darauf meinem Boten: „Der Jude weiß wohl nicht, daß wir Christen heut Feiertag haben, am liebsten möchte ich dem Juden das Paket gar nicht herausgeben." Ich habe mich sofort unter Angabe des Tatbestandes an das hiesige Postamt gewandt und kann wohl mit dem mir gegebenen Bescheide die Angelegenheit als erledigt betrachten. Das Schreiben folgt anbei in Abschrift,- ich überlasse es Ihnen, es zu veröffentlichen. Beuthen, O.-S., den 3. Oktober 1912. Kaiserliches Postamt. Zum Schreiben vom 30. September. Der betreffende Ilnterbeamte, der am Sonntag, den 29. September, vorm., in der Paketausgabe Ihrem Mädchen ein für Sie eingegangenes Nachnahmepaket aushändigte, ist wegen seines unangemessenen Verhaltens zur Verantwortung und Bestrafung gezogen worden. Das Postamt bedauert das Vorkommnis aufs Lebhafteste. ' gez. Buch Holz. — Wir waren vor einiger Zeit von einem Mitgliede unseres Vereins darauf aufmerksam gemacht worden, daß in der Märchensammlung „Es war einmal", herausgegeben vom Dresdener Iugendschriften-Verlag, in Heft 59 das antisemitische Märchen „Der Jude im Dorn" erschienen ist, in welchem ein Jude als Lügner, Geizhals und Dieb geschildert wird. Wir wandten uns an den Verlag mit der Bitte, bei einer Neuauf-