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Im deutschen Reich · 1912-11-01 · Heft 11 (November 1912) · p. 403

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 11 (November 1912)
Article
Berlin
Date
1912-11-01
Page
403 (sequence 3)
Language
German
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Korrespondenzen. 403 nicht Warschau Mittelpunkt, das noch viel mehr Juden hat?" Auf eine derartige, bedenklich an die Zirkus-Busch-Versammlungen erinnernde Frage überhaupt zu antworten, dürften sich andere „zünftige Vertreter der Wissenschaft" wirklich genieren. Sie dürfte aber Herrn Professor Sombart davon überzeugen, daß er sich mit einzelnen, nur den Antisemiten angenehmen Aeußerungen zwischen zwei Stühle gesetzt hat. — „Eine wissenschaftliche Autorität über das Schächten." Ein Herr Ür. med. Reinhardt hat der „Deutschen Tageszeitung" und anderen Antisemitenblättern durch sein „vortreffliches, an Anregungen reiches Buch": „Wie ernähren wir. uns am zweckmäßigsten?" große Freude bereitet. Soweit der Verfasser die Behauptung aufstellt, daß das Fleisch um so leichter verdaulich ist, je weniger das Schlachttier entblutet ist, widerspricht er der Ansicht der ersten wissenschaftlichen Autoritäten. Interefsant aber ist der Satz, daß die „Menschen der Vorzeit", d. h. die Juden, aus abergläubischer Scheu das Essen des Blutes scheuten. Wie reimt sich denn das zusammen mit der sonst immer von den Antisemiten ausgestreuten Behauptung, daß die Juden Ehristenblut durch Ritualmorde zu genießen trachten, weil das Blut ihnen Glück bringe?! Mal so, mal so — wie's trefft! — Eine wunderbare Selb st kritik hat in der Rümmer 217 vom 13. September die „Staatsbürger-Zeitung", um neue Abonnenten und Inserenten zu gewinnen, mit folgenden Sätzen gebracht: „lim festzustellen, ob eine Zeitung sich wirklich rückhaltlos auf die Seite der Bauern und Bürger stellt, genügt es nicht, ihren redaktionellen Inhalt zu studieren; man muß sich auch ihren Anzeigenteil ansehen, und schließlich muß man auch wissen, welcher Art die treibenden Kräfte sind, die hinter dem Blatte stehen. Da zeitigt denn der Anzeigenteil solcher für gut mittelständis ch und deutschnational gehaltenen Blätter manchmal recht m e r k w ü r dige Blüten. Während wir vor n eine donnernde Philippika gegen die W a r e n h ä u s l e r lasen, finden wir hinten im Inseratenteil die seitenlangen Anpreisungen Wertheims, Tietz' und Iandorfs. Das heißt doch, volkstümlich gesprochen: Vorn wirft man den Juden heraus und läßt ihn zur-Hintertür wieder herein. Aber den patriotischen Beamten, den konservativen Handwerker, den deutschnationalen Handlungsgehilfen möchten wir sehen, der ein solch verächtliches Gebaren mit Sache und Name noch verträglich finden kann. Keiner ist unfehlbar, und Irrtümer unterlaufen überall. Doch guter deutscher Art und Sitte ent-

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