Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 11 (November 1912)
- Article
- Berlin
- Date
- 1912-11-01
- Page
- 404 (sequence 4)
- Language
- German
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404 Im deutschen Reich. spricht es, die Grundsätze einer politischen Zeitung von der ersten bis zur letzten Zeile ihres Inhalts zur Geltung zu bringen. Nur soviel sei noch gesagt, daß Blätter von deutschnationalem Gepräge nun und nimmer aus den Giftblüten der Warenhaus-Anzeigen ihren wirtschaftlichen Honig saugen dürfen. Das mögen sich unsere Gesinnungsfreude im Lande merken." — Das Anti- \emitenblati rechnet unverkennbar auf die Gedächtnisschwäche seiner Leser; denn das Gebaren, das sie jetzt als ein verächtliches bezeichnet, war bei ihr jahrelang gang und gäbe, bis endlich die meisten jüdischen Geschäftsleute einsahen, daß das Annoncieren in einem Blatte, das sie in jeder Nummer heräbwürdigt, ihnen weder zur Ehre gereichen, noch Nutzen bringen könne. In der letzten Zeit mußte sich die „Staatsbürger-Zeitung" in der Hauptsache mit den Inseraten getaufter Juden (Herrenfeld-Theater u. a. m.) und einzelner Großbanken begnügen. Während sie nach wie vor gegen die Tätigkeit dieser Großbanken wettert, nimmt sie deren einträgliche Inserate noch immer gern, ohne an den Unterschriften jüdischer Direktoren Anstoß zu nehmen, und ohne Bedenken darüber zu hegen, daß. sie durch diese Inserate für die von ihr bekämpften Banken Reklame macht. In früheren Jahren hat sie fortgesetzt, auch wenn sie vorn im redaktionellen Teile die Juden beschimpfte, hinten im Anzeigenteile die Inserate jüdischer Warenhäuser an den hervorragendsten Stellen gebracht und in der Reklame- Rubrik Mitteilungen jüdischer Geschäfte (u. a. auch über einen Katalog der Firma N. Israel) veröffentlicht. Als vor Jahren antisemitische Parteigenossen sich über dieses „Gebaren" beklagten, erwiderte der damalige Chefredakteur Dr. Bachler etwa folgendes: „Die Antisemiten kaufen bei den Juden doch nicht; auf diese Weise wird nur den Juden das Geld abgenommen!" „Der Honig aus den Giftblüten der Warenhäuser" war damals der „Staatsbürger-Zeitung" sehr willkommen. — Herr Georg Weber in Berlin, Invalidenstr. 5, läßt Reklamezettel verteilen, in denen er seine Waren „25 o/0 unter Preis" anbietet und sein Geschäft als „Christliche Firma" bezeichnet. Magdeburg. 2. Oktober. Unter der Ueöerschrift „Christ und Jude" hat die antisemitische „Sachsenschau", um ihre säumigen Abonnenten aufzurütteln, eine Notiz gebracht, die mit den Worten schließt: „Wenn diese Christen ihre sonstigen Angelegenheiten ebenso säumig behandeln, brauchen sie sich nicht zu wundern, daß die Juden ihnen wirtschaftlich voraufkommen. Seid ebenso rührig und exakt in wirtschaftlicher Hinsicht wie die meisten Juden, so werden diese euch nicht verdrängen!"