Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1912-11-01 · Heft 11 (November 1912) · p. 400

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 11 (November 1912)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1912-11-01
Page
400 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316817-2316827--23009-2346603
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

400 Im deutschen Reich. Daß die Antisemiten an dem widersinnigen Ausdruck „Judenpresse" festhalten und sich an dem in der „Staatsbürger-Zeitung" veröffentlichten Schreiben eines Charlottenburger Oberpostsekre- Lärs Z. ergötzen, der dem Verein für das „Deutschtum im Auslande" den Text liest, weil er sich zu dem angeblichen Organ „zur Verfechtung jüdischer Interessen" auf freundlichen Fuß gestellt Kat, vermindert den Wert des Verhaltens der „Kreuz- Zeitung" ebensowenig wie den der Vorurteilslosigkeit des Vereins für das „Deutschtum im Auslande". Dieser scheint über Sympathien und Antipathien für und gegen das deutsche Reich im Auslande besser orientiert zu sein als der frühere Staatssekretär des Kolonialamtes, Erbprinz Ernst zu tzohenlohe-Langenburg, der in dem Oktober- Heft der „Deutschen Revue" dieses Thema derart behandelt hat, daß die „Deutsche Tageszeitung" seine Ausführungen dazu benutzen kann, die wesentlich durch die antisemitische „Schmach des Jahrhunderts" vermehrten Antipathien des Auslandes fälschlich auf ein angeblich jüdisches Protzentum oder auf die Fiktion der „Iudenpresse" zurückzuführen. Man wird unwillkürlich an das Wort Goethes erinnert: „Es tut mir weh, wenn ich dich in der Gesellschaft seh", wenn selbst die „kölnische Volkszeitung", die doch sonst die Traditionen der toleranten Zentrumsführer Windthorst und Lieber hoch hält, sich von dem „Bluff" der nur in der antisemitischen Märchenbildung vorhandenen „jüdischen Presse" verblenden läßt. Jeder Versuch, unserseits einen Einfluß auf die sogenannte „Iudenpresse" auszuüben, würde genau so wirkungslos bleiben wie die zweifellos ergangenen Mahnungen des Zentrums wegen der judenfeindlichen Auslassungen einer Reihe von katholischen Blättern nicht ausgereicht haben, die Toleranz auf der ganzen Linie durchzuführen. Die „Märkische Volkszeitung" hat zur rechten Zeit daran erinnert, daß weder Lasker noch irgendein anderer hervorragender Jude sich seinerzeit mit der Einführung des Iesuitengesetzes einverstanden erklärt hat, das von dem antisemitischen Gründer der „Kreuz-Zeitung", Geheimrat Wag euer, angeregt und von denselben konservativen Fraktionen durchgesetzt wurde, mit denen in letzter Zeit das Zentrum im schwarzblauen Block so eng verbunden war. Das Sprichwort, daß Ilndank der Welt Lohn ist, wird das Zentrum nie bei Juden, sondern weit eher bei antisemitisch angehauchten Konservativen bewährt finden, auch wenn es sich um Jesuiten handelt. Als die „Frankfurter Zeitung" kürzlich infolge der Zurücksetzung eines jüdischen Kreisarztes in Westpreußen sich über das Verfahren bei den Zahlungen aus dem Ostmarkenfonds beklagte und jede

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.