Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 11 (November 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-11-01
- Page
- 399 (sequence 5)
- Language
- German
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Amschau. 399 wenn sie einem hebräischen Ministerialdirektor unbequem ist?" Der erfindungsreiche Odysseus der„Staatsbürger-ZLg.", der einen „hebräischen preußischen Ministerialdirektor" erdacht hat, um den angeblich bevorstehenden neuen Kurs der Negierung zu diskreditieren, scheint die Bezeichnung „hebräisch" für besonders geeignet zu halten, alles, auch was nicht im entferntesten jüdisch ist, doch seinem Leserkreis als mit dem Judentum zusammenhängend vorzuspiegeln. So hat er am 3. Okt. versucht, eine -aus dem Jahre 1874 stammende antisemitische Aeußerung des Leipziger Buchhändlers Findel dadurch wirkungsvoller zu machen, daß er die von diesem herausgegebene „Bauhütte" als eine hebräerfreundliche Freimaurerzeitschrift bezeichnete, daß er ferner in derselben Nummer die „hebräischen Freimaurerlogen" beschuldigt, unter dem Deckmantel der Humanität das Ziel zu verfolgen, germanische Herrscher zu Marionetten zu machen, deren Fäden vom „hebräischen Kadosch" (?!) gezogen werden. Daß die „Staatsbürger-Zeitung" die in der russischen Paßfrage unternommenen Schritte der „nicht-freimaurerischen" BneBris Logen als im Interesse der Zulassung „hebräischer" Handlungsreisender geschehen bezeichnet, erklärt sich einigermaßen dadurch, daß die Weisheitsquelle des deutschen Antisemitenblattes die judenfeindliche „Nowoje Wremja" ist, die stets das auch .in der Amtssprache für alle Juden in Nußland übliche Wort „Hebräer" gebraucht. — Am Ouartalsschluß hat die „Staatsbg.-Ztg." 'die Annahme eines neuen Untertitels „Das deutsche Tageblatt" angekündigt, offenbar um schon hierdurch ihre Wahlverwandtschaft mit der agrarischen „Deutschen Tagesztg." offen zu bekennen und ihre nichts weniger als deutschen und unparteiischen Leistungen als die eines „Unparteiischen Zentralorgans deutschen Geisteslebens" anzupreisen. Wie weit die beigefügte Behauptung zutrifft, daß das von ihr befehdete „Berliner Tageblatt" von „fremdem, hebräischem Geiste getragen und genährt sei", lassen wir dahingestellt. Wir würden bei der großen Verbreitung dieses von Christen redigierten Blattes eine Spur dieses Geistes gar nicht beklagen. Die Behauptung ist aber nur eine antisemitische Erfindung, die im offenkundigen Widerspruch mit der Tatsache steht, daß die deutschen Juden in politischer Beziehung völlig unbehindert in der Wahl ihrer Parteistellung sind und sein wollen, und daß neuerdings Juden aus politischen Beweggründen' sogar Organen der Konservativen ihr besonderes Vertrauen zuwenden. Selbst das Organ der Konservativen strengster Observanz, die „Kreuz-Zeitung", ist übrigens dem Beispiele alldeutscher Blätter gefolgt, recht klägliche Zuschriften von jüdischer Seite zu veröffentlichen und zur Bekämpfung des politischen Liberalismus geeignet scheinende Aeußerungen jüdischer Blätter abzudrucken.