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Im deutschen Reich · 1912-11-01 · Heft 11 (November 1912) · p. 391

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 11 (November 1912)
Article
Noch einmal: Judentum und Kapitalismus
Date
1912-11-01
Page
391 (sequence 7)
Language
German
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Noch einmal: Judentum und Kapitalismus. 391 Die Börsenfürsten an der AnLwerpener Börse gehörten frisch eingewanderten deutschen Familien an. Die Vorherrschaft hatten die oberdeutschen Bankiers und zumal die Fuggers. In einer AnLwerpener Denkschrift vom Jahre 1549 wird die Tätigkeit der — wenigen — damals ansässigen Marranos für die Börse gewürdigt: Ls wird ihnen besonders nachgerühmt, daß sie das Eintreten von Geldknappheit verhindert und für eine ruhige und konstantewilder Spekulation entgegengesetzte Geschäftspraxis gewirkt hätten. — Das ist freilich gerade das Gegenteil — fügt Rachfahl hinzu — von dem, was Sombart für die Juden als das Charakteristische an ihrer Behandlung der. Geschäfte und vorzugsweise ihrer Betätigung auf dem Gebiete des Geldhandels hinstellt. Im 16. Jahrhundert waren Spanier und Italiener auf dem Gebiete des Geldhandels hervorragend. Dieser Handel war nicht der Tummelplatz jüdischer Elemente. Die Entstehung der Antwerpener Börse ist vornehmlich durch oberdeutsche und italienische Kaufleute erfolgt — nicht aus der --Befruchtung nördlich-germanischen Wesens durch den Händlergeist der heißen semitischen Rasse". Rachfahl weist auch die Behauptung von dem Ursprung des modernen Inhaberpapiers durch die Juden zurück. In Amsterdam und Holland war kapitalistischer Geist vor den Juden in hoher Blüte. Der Ostseehandel und die große Fischereidie Säulen des holländischen Wohlstandes, sind entstanden und zu hoher Blüte gelangt, ohne daß ein Jude daran Anteil gehabt hat. Holland und Amsterdam waren blühend vor der Einwanderung der --Portugiesen", der Marranos. Bezüglich der Einzelheiten und der ausführlich angegebenen Quellenwerke muß auf die Rachfahlsche Arbeit verwiesen werden. Rachfahl leugnet in keiner Weise die hervorragende Bedeutung der Juden auf dem Gebiete des Kapitalismus, er tritt nur den Schlüssen, die Sombart daraus zieht, entgegen. Auch ist er von der „blutmäßigen Verankerung" der spezifischen Händlereigenschaften der Juden durchaus nicht überzeugt: in der heutigen spanischen Stadtbevölkerung steckt zweifellos ein starker Zusatz jüdischen Blutes, trotzdem ist es mit ihren wirtschaftlichen Leistungen heutzutage nicht weit her.- Schicksal — heißt das erste Wort, in dem so mannigfache Lösungen für die Frage liegen, die uns in diesen Zeilen beschäftigt hat: schlimmes und gutes, fördersames und abträgliches -- 'Umgebung, Widerstand, Ueberwindung, Anpassung. Vererbung — heißt das zweite. Aber nicht in dem Sinne, daß so spezielle Dinge vererbt werden wie kapitalistische Fähigkeit oder Bratschespiel und Flötenkunst, sondern in dem Sinne, daß allgemein geistige (oder körperliche) Eigenschaften vererbt werden: Regsamkeit, Zähigkeit.

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