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Im deutschen Reich · 1912-11-01 · Heft 11 (November 1912) · p. 390

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 11 (November 1912)
Article
Noch einmal: Judentum und Kapitalismus
Date
1912-11-01
Page
390 (sequence 6)
Language
German
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390 Fm deutschen Reich. Aber freilich: bei den Inden imijj nun einmal eine ungezügelte Profitgier vorhanden sein! Dazu mutz Bibel, Talmud und Kindersibel herhalten, damit nur ja das Heranwachsende Gehirn keinen anderen Gedanken als diesen aufkommen läßt. Es tut auch nichts, daß man um sich herum die ganze Welt am Golde hängen, nach Golde drängen sieht, daß man in hohen und höchsten Kreisen bei Heiraten alle anderen Interessen eher geordnet sieht als die des Herzens, daß es Fürsten gegeben hat, die ihre eigenen Landeskinder gegen Geld ans Ausland verkauften, daß es einen Ablaßhandel gegeben hat usw. usw. Das tut alles nichts! Bei den Juden gibt es keine Mystik, keine Verzückung, wenn auch in den Psalmen noch so viel Stellen dem widersprechen, es wird sogar vor Gott mit den guten Taten nur „gerechnet". Dagegen muß die Buße im Beichtstuhl und Furcht und Hoffnung vor Himmel und Hölle gänzlich verschwinden! Aber wenn man auch zugibt, daß in nichtjüdischen Familien die Geldinteressen ebenso lebendig sind, selbst wenn zugestandenermaßen die Ableugnung dieser Interessen von gewisser Seite eitel Heuchelei ist, dann muß es doch etwas spezifisch Jüdisches geben, das ist: die Naivität, die Selbstverständlichkeit, die Anverblümtheit, mit der das Geldinteresse in den Mittelpunkt aller Lebensinteressen gestellt wird. Anwillkürlich denkt man dabei an Lafontaines Fabel von dem Wolfe, dem das Lämmlein das Wasser getrübt haben sollte! Rachsahl prüfte die historische Seite der uns beschäftigenden Frage. Sombart hatte die Entstehung und das Aufblühen des Kapitalismus mit den Wanderungen der Juden in entscheidenden Zusammenhang gebracht. Nach ihm vollzieht sich die Entwicklung in folgenden Etappen: Italiener, Spanier, Portugiesen und Süddeutsche, dann Belgier, Holländer, Franzosen, Engländer, Norddeutsche. Nach Rachfahl geht die Entwicklung in folgenden Stufen: Italiener, einzelne oberdeutsche Städte, die Norddeutschen (Hansen), dann die Portugiesen und Spanier, diese abgelöst durch Niederländer, Franzosen, Engländer, Hamburger. .Nach Rachsahls Quellenstudien ging der Strom der vertriebenen spanischen bezw. portugiesischen Juden nach 1492 zunächst mehr ans Mittelmeer als nach Belgien, weil .sie dort noch Verfolgungen und Bedrückungen ausgesetzt waren. Dies war nach ihm noch im 16. Jahrhundert der Fall. Antwerpen war nur Durchgangsstation nach Italien, der Türkei und anderen Ländern. Es wurde nur zunächst der Versuch eines Aufenthaltes gemacht. Im Jahre 1530 wurde der Zuzug sogar gänzlich verboten.

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