Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 11 (November 1912)
- Article
- Noch einmal: Judentum und Kapitalismus
- Date
- 1912-11-01
- Page
- 389 (sequence 5)
- Language
- German
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Noch einmal: Judentum und Kapitalismus. 369 Gold etwas spezifisch Deutsches sein, der selbst die höchsten Lebensinteressen geopfert werden. Bon anderer Seite ist den Memoiren der Glückel von Hameln, die nach Sombart auf 313 Seiten ausgerechnet an 609 verschiedenen Stellen von Geld, Reichtum und Erwerb gesprochen hat, folgende Stelle aus Goethes „Hermann und Dorothea", diesem kerndeutschen Gedicht, gegenübergestellt worden: „Oh, wie glücklich ist der, dem Vater und Mutter das Haus schon Wohlbestellt übergeben, und der mit Gedeihen es ausziert! Aller Anfang ist schwer, am schwersten der Anfang der Wirtschaft-. Mancherlei Dinge bedarf der Mensch, und alles wird täglich Teurer; da seh' er sich vor, des Geldes mehr zu erwerben! And so hoff' ich von dir, mein Hermann, daß du mir nächstens In das Haus die Braut mit schöner Mitgift hereinführst; Denn ein wackerer Mann verdient ein begütertes Mädchen, And es behaget so wohl, wenn mit dem gewünscheten Weibchen Auch in Körben und Kasten -die nützliche Gabe hereinkommt. Nicht umsonst bereitet durch manche Jahre die Mutter Viele Leinwand der Tochter von feinem und starkem Gewebe; Nicht umsonst verehren die Paten ihr Silbergeräte, And der Vater sondert im Pulte das seltene Goldstück; Denn sie soll dereinst mit ihren Gütern und Gaben Jenen Jüngling erfreun, der sie vor allen erwählt hat. Ja, ich weiß, wie behaglich ein Weibchen im Hause sich findet. Das ihr eignes Gerät in Küch' und Zimmern erkennet And das Bette sich selbst und den Tisch sich selber gedeckt hat. Nur wohlausgestattet möcht' ich im Hause die Braut sehn; Denn die Arme wird doch nur zuletzt vom Manne verachtet. And er hält sie als Magd, die als Magd mit dem Bündel hereinkam. Ungerecht bleiben die Männer, die Zeiten der Liebe vergehn. Ja, mein Hermann, du würdest mein Alter höchlich erfreuen, Wenn du mir bald ins Haus ein Schwiegertöchterchen brachtest, Aus der Nachbarschaft her, aus jenem Hause, dem grünen. Reich ist der Mann fürwahr, sein Handel und seine Fabriken Machen ihn täglich reicher: denn wo gewinnt nicht der Kaufmann?" Welch jüdisch-kapitalistischer Geist nur in diesen Versen steckt! Ein reines Glück, daß sie von Goethe und nicht etwa von Heine sind! Satirischer wäre vielleicht der Ton der Anfrage Goethes an Heine bei feinem einzigen Besuch in Weimar ausgefallen, ob ihn sonst noch andere Geschäfte herführten. Die Antwort von Heine: „Mit dem Fuß über die Schwelle Eurer Exzellenz sind alle meine Geschäfte erledigt" — können wir vielleicht auch für uns bei unfern guten Freunden in dem Sinne umwandeln: Auch unserer Geschäfte sind nicht so viele, als ihr gerne wahr haben möchtet!