Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 11 (November 1912)
- Article
- Noch einmal: Judentum und Kapitalismus
- Date
- 1912-11-01
- Page
- 388 (sequence 4)
- Language
- German
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388 Im deutschen Reich. eigentlich Gesetzliche, hat es zu allen Zeiten eine feste Praxis gegeben, die eine jede Willkür ausschloß. H. kommt zu dem Schluß, daß die Juden Förderer des Kapitalismus geworden sind, aber im Gegensatz zu ihren eigenen Traditionen. Wenn man seine Stimme als parteiisch zu bezeichnen geneigt sein sollte, so lassen wir dafür einen? anderen sprechen, der es vielleicht weniger ist: den.früheren Präsidenten der königlichen Akademie der Wissenschaften in München, Stiftsprobst Ignaz von Döllinger*), der in einer Rede sagte: „Ein arbeitsames Volk waren die Juden immer. So lange sie einen eigenen Staat bildeten, waren Feldbau, Gartenbau und Handwerk ihre vorherrschende Beschäftigung. Anter ihren Händen war Palästina eines der am besten bebauten und fruchtbarsten Länder der Erde. War doch auch das mosaische Gesetz auf die Bodenkultur, auf die Förderung von Getreide-, Wein- und Ackerbau gerichtet. Auch in den ersten Jahrhunderten nach Christus und nach der Zerstreuung des Volkes blieb dieses seinen alten Sitten treu." Das Wirtschaftsideal des biblisch-talmudischen Judentums bezeichnet Hoffmann als ein theokratisch-agrarisch-mittelständi^ sches. Theokratisch: weil es durch eine Menge religiöser Gebote und Verbote eingeengt und bestimmt war. Agrarisch: weil es auf die Interessen eines ganzen Bauernvolkes, nicht bloß einer Großgrundbesitzerklasse zugeschnitten war. Die biblischen Sprüche weisen eine Menge Bilder aus dem Landleben auf, die Hauptfeste stehen in Zusammenhang mit den Jahreszeiten, mit der Ernte der Hauptfrüchte der landwirtschaftlichen Produktion. Seine Gebete bezogen sich auf Wetter und Wind, Sonne und Regen. Mittelständisch: Die Propheten wandten sich gegen die Anhäufung von Gütern aus schnöder Gewinnsucht unter Ausbeutung der Schwachen und ohne Rücksicht auf das Wohl des Nächsten. In köstlicher Weise persifliert Hoffmann Sombarts Sucht, aus jeder Bibel- und Talmudstelle die Gier nach Gold bei den Juden herauszulesen. Er schreibt: Wagners „Nibelungen" sind sicherlich das prägnanteste Werk echt germanischer Eigenart des 19. Jahrhunderts, welches nicht nur ein Bild der sagenhaften germanischen Vorzeit bieten will, sondern auch sicherlich die echt deutsche Art der modernen Zeit widerspiegelt. Der Hauptkonflikt dieses Dramas beruht nun aber im Kampfe um das Gold. Immer wieder ist die Rede von Gold, Hort, Ring, Geschmeide. Das Gold ist der oberste Herrscher der Welt. Für diesen Schatz wollen viele der handelnden Personen auf alle reinen Freuden und Genüsse dieser Welt verzichten. Also mufr die Gier nach *) Zit. bei Grunwald: Die kaufmännische Ehre bei den Juden. Im deutschen Reich. Februarhest 1903.