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Im deutschen Reich · 1912-11-01 · Heft 11 (November 1912) · p. 387

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 11 (November 1912)
Article
Noch einmal: Judentum und Kapitalismus
Date
1912-11-01
Page
387 (sequence 3)
Language
German
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Noch einmal: Judentum und Kapitalismus. 387 Fn jüngster Zeit hat nun Rabbiner Dr. M. H offmann unter dem Titel „Judentum und Kapitalismus" eine kritische Würdigung von Werner Sombarts „Die Juden und das Wirtschaftsleben" erscheinen lassen*). Auch er prüft die religiöse Seite der Frage. — Rachfahl (Dr. Felix, Professor der Geschichte an der Universität Kiel) unterzieht die geschichtliche Seite einer scharfen Kritik, erschienen im Januarheft 1912 der Preußischen Jahrbücher unter dem Titel: Das Judentum und die Genesis des modernen Kapitalismus. Beide kommen zu einer scharfen Ablehnung der Resultate Sombarts. Einfach scheint ja die Frage nach der Entstehung des Kapitalismus und die Zurückführung auf die wesentlichen Schöpfer desselben nicht zu sein. Rationalökonomen und Historiker können darüber verschiedener Meinung sein, ja man kann innerhalb von annähernd 10 Jahren sogar verschiedener Meinung sein, wenn man ein und dieselbe Person ist und — Sombart heißt. Die Schwierigkeit der Frage, welchem der beiden Sombarts nun eigentlich recht zu geben ist, wird vergrößert, weil es schwer zu entscheiden, welche der beiden Meinungen mit größerer Sicherheit vorgetragen worden ist. Fm Jahre 1902 schrieb Sombart in seinem damals entstandenen Buche „Die Entstehung des Kapitalismus", daß die kapitalistische Wirtschaftsorganisation durch die Grund- und Hausbesitzerder italienischen Städte des späten-Mittelalters ihren Eingang in die Weltgeschichte gefunden hätte. „Wir sind am Ziel, das Geheimnis ist enthüllt. Die Anfänge des bürgerlichen Reichtums sind aufgedeckt. Jene Summen...., aus denen sich der Kapitalismus zu entwickeln vermochte, sind die akkumulierte Grundrente." — Im Jahre 1911 sind es — in dem neuen bekannten Werke — nicht mehr die Italiener, sondern die Juden. Da heißt es nicht mehr: wir sind am Ziel, das Geheimnis ist enthüllt, sondern (Einleitung S. IX) die wesentlichsten Teile des neuen Werkes werden in ihren Grundgedanken nicht erschüttert werden können, die Richtigkeit ihrer Gedankengänge wird nicht zu widerlegen sein. Hoffmann hat nun eine Wanderung durch die Quellen des jüdischen Schrifttums angetreten und hilft Sombart etwas nach, der so haarsträubend wenige profit-ablehnende Stellen in Bibel und Talmud gefunden hat. Wenn Widersprüche vorhanden sind — betont Hofsmann —, so beziehen sie sich auf die Hagada, die Sätze enthielt, die die Bedeutung von Sprichwörtern, Weisheitstafeln, Legenden usw. haben, für die Halacha aber, das *) Berlin 1912. 3>rucf und Verlag von tz. Itzkowski, Auguststraß e 69. Preis 2 M.

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