Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 11 (November 1912)
- Article
- Noch einmal: Judentum und Kapitalismus
- Date
- 1912-11-01
- Page
- 386 (sequence 2)
- Language
- German
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86 Im deutschen Reich. wissenschaftlichen Gewände auftritt. Sombart*) nennt uns nach unseren Leistungen Kapitalisten großen Stiles, Förderer der Volkswohlfahrt, Kolonisatoren, und in der Begründung dazu spukt groß und breit zwischen den Zeilen und in den Zeilen: Schachergeist —, Schachergeist von Bluts«, Religions- und Gelegenheitswegen. Aber noch ein anderes macht die Frage wichtig: das ist eine Anschauung, die heute in der Lust liegt. Sie ist kapitalistischen Gedankengängen entgegen- und feudalistischem Empfinden zugeneigt. Je mehr Deutschland aus einem Agrarstaat zum Industriestaat wurde, desto mehr hat man sich dieser Anschauung — gewissermaßen aus einem natürlichen Ausgleichsempfinden heraus — zugewandt. Dieser feudalistische Zug der Zeit — wie wir ihn nennen wollen — zeigt sich in der gesteigerten Jugendfürsorge für die geborenen und ungeborenen Kinder, in der Sorge um den Rückgang der Geburten — ein Kriegsgedanke schlummert da im Grunde —, in den Bestrebungen um die körperliche „Ertüchtigung" der Jugend im patriotischen Sinne (Iugendvereinen, Psadfinderwesen), in der Förderung aller sportlichen Tüchtigkeiten, in dem Bestreben, die studentischen Mensuren straffrei zu machen (Herrenhaus), und was dergleichen mehr ist. Daß gerade wir in solchen Zeiten die reinen ausgepichten Kapitalisten bleiben — dagegen haben unsere Gegner nichts einzuwenden. Wir haben das-lebhafteste Interesse, über diese Frage unter uns selbst klar zu werden, und diese Klarheit, soweit wir das können, nach außen strahlen zu lassen. Dazu Helsen uns nicht bloß eigene Erfahrungen und Betrachtungen, sondern auch eine Reihe von Arbeiten, die auf diesem Gebiete vorlregen. Der im Laufe der öffentlichen Diskussion ausgesprochene Wunsch, daß von seiten der Rabbiner die Frage nach Einwirkung von Bibel und Talmud nachgeprüft werden möge, ist in Erfüllung gegangen: ' Steckelmacher (Stadt- und Konferenzrabbiner in Mannheim) schrieb seine Randbemerkungen zu Werner Sombarts: „Die Juden und das Wirtschaftsleben"**). Er ging den Quellen nach und zeigte, mit welch vollendeter Einseitigkeit S. seine AebersetznngsziLate verwendete oder nur halbiert benutzte. Er wies nach, daß die Gleichung: Religion und Leben — Kapitalismus nicht stimmt. *) Sombart: Die Juden und das Wirtschaftsleben, Verlag von Duncker & Humblot, Leipzig, Preis geh. 9 M., in Halbperg. 11 M. **) Dr. M. Steckelmacher, Berlin. Verlag von Leonhard .Simion, 1912. Preis 1,20 M. Besprochen im Iuniheft 1612, „Fm deutschen Reichs