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Im deutschen Reich · 1912-10-01 · Heft 10 (Oktober 1912) · p. 471

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 10 (Oktober 1912)
Article
[Ohne Titel]
Date
1912-10-01
Page
471 (sequence 7)
Language
German
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V er einsnachricht en. 471 besonders die in dem Augustheft 1912 befindliche nachstehende Notiz: „In dem Berliner Methylalkoholprozeß wurde festgestellt, daß der Branntweinschenker Isaak, bei dem die Stammgäste des Asyls für Obdachlose mit Vorliebe verkehrten, täglich zwischen 150 und 250 M. einnahm. Lr bediente etwa 800 Asylisten täglich. Viele tranken mehr als einen Schnaps manche für 2 bis 3 M.! Aus einem Liter reinen Alkohols, der 1,80 M. kostet, macht der Mann durch Zusatz von Würze und Wasser 4 Liter Schnaps, aus dem Liter Schnaps mindestens 30 Gläser zu 5 Pf. Da ihm 4 Liter Schnaps höchstens 2 M. kosten, und da er 120 Gläser a 5 Pf. daraus verschenkt und 6 M. löst, so verdient er dabei etwa 4 M. 200 ^o, wahrscheinlich mehr. Bei einer Tageseinnahme von durchschnittlich 180 M. verbleiben ihm demnach als Reingewinn 120 M., macht im Jahre 43 200 M. Das ist ein Geschäft, das bringt noch was ein! Mit den erworbenen Kapitalien begründen die Söhne und Schwiegersöhne Abzahlungsgeschäfte, Warenhäuser, Konfektions- Werkstätten oder gehen an die Börse. Die Enkel werden Rechtsanwälte, Aerzte, Professoren, und bilden dann die Intellektuellen, die Lehrer und Führer des deutschen Volkes. Fast alle aus Galizien und Ungarn stammenden Familien östlicher Herkunft haben mit dem Schnaps des armen Mannes den Grund zu ihrem Emporkommen gelegt und sind beflissen, die Verdienste ihrer Ahnen nicht in das Licht des Tages zu rücken. Aber der Apfel fällt nun einmal nicht weit vom Stamm/'-Zu dieser Sache ist zu bemerken: Der Angeklagte war Scharmach; er ist evangelischer Christ. Isaak war überhaupt nicht an geklagt; ob sein Geschäft so viel abwirft, wie „Der Türmer" ausrechnet und verschiedene Provinzblätter ihm nachbeten, wissen wir nicht. Die daran geknüpften Bemerkungen verallgemeinern die antisemitische Tendenz, wie das nichts Neues ist. Ls soll auch christliche Destillateure, geben, die viel Geld verdienen, und hochmögende christliche Herren, die mit Sprit enorme Geschäfte machen, und deren Söhne nicht nur „Rechtsanwälte und Assessoren", sondern sogar Gardeleutnants und hohe Staatsbeamte werden. Wozu also diese gehässige Randbemerkung im „Türmer, Monatsschrift für Gemüt und Gei st"? Wo steckt da Gemüt und G e i st? — Aus unserem Leserkreis werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß selbst der „Hannoversche Kurier" in seinen Spalten dem Antisemitismus Raum gibt. So findet sich in dem Leitartikel vom 16. Juli „Wiedergeburt und Zukunft des italienischen Imperialismus" von Freiherrn v. Mackay nachfolgende Aeußerung: „Mit ihren Herdeninstinkten, die sie gleich Chinesen und Juden besitzen, ballen sie sich zwar überall wo sie hin-

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