Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1912)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1912-10-01
- Page
- 469 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- address
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316817-2316826--22960-2346519- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
V e r e i n s n a ch r i ch t e n. 469 semitischen Mitbürger zu einer höchst gefährlichen Krise unseres nationale.', Lebens werde". Der Artikel hatte nicht nur bei den jüdischen. Lesern, sondern auch vielfach in christlichen Kreisen zu Mißstimmungen Anlaß gegeben. Auf eine deshalb an den Verleger gerichtete Beschwerde hat derselbe geantwortet: „Wir lassen die Artikel des Herrn E. W. schon deshalb mit seiner Unterschrift erscheinen, weil sich der Inhalt derselben in seinen Einzelheiten nicht immer mit unseren Anschauungen deckt. So müssen wir uns auch energisch verwahren, wenn wir wegen des von Ihnen angeführten Artikels als Antisemiten verschrien werden sollen. Der Abschnitt des betr. Artikels wendet sich durchaus nicht gegen das Judentum als solches, sondern gegen eine gewisse Berliner Presse. So wird wohl auch von den meisten Lesern der Aufsatz aufgesaßt worden sein. Immerhin würden wir Anstand genommen haben, diesem Absatz des Artikels unsere Spalten zu öffnen, wenn uns im Drange der Geschäfte genügend Zeit gelassen würde, ihn in unserm Sinne und in seiner Tragweite zu prüfen, da wir keineswegs gesonnen sind, eine antisemitische Richtung auf unser Blatt wirken zu lassen." — — Aeber die am 19. August in der Hasenheide abgehaltene Jahn-Feier der „D e u t f ch - v ö l k i s ch e n Turnvereine" Berlins ist uns nachträglich berichtet worden: „Bei Fackeloeleuchtung umstanden einige hundert Jünglinge und Jungfrauen das Denkmal und lauschten einer Festrede, in welcher der Redner den Turnvater Jahn für die deutsch-völkische Richtung vollständig in Anspruch nahm. Rach einer Verherrlichung des deutschen Volkstums, das sich vor hundert Jahren trefflich bewährte, und in den Jahren 1861, 66, 70/71 die alte Kraft entfaltete, bot der Redner eine angebliche Schilderung der heutigen Verhältnisse. Jetzt sei das deutsche Volkstum fast von seinen Widersachern vernichtet, die unter den Farben „schwarz-rot-gold" zu suchen seien. Zuerst eiferte der Redner gegen die Schwarzen, die, vom römischen Geiste erfüllt, das deutsche Volkstum an Rom verraten, wobei der Vortragende nur diejenigen Katholiken ausnahm, die sich vom Zentrum freigemacht haben, am Deutschtum hängen, und denen man dafür Dank wissen müsse. Dann ging er mit Wuchtigen Worten gegen die Roten los, die gewaltig am Werke seien, das deutsche Volkstum durch internationale Bestrebungen zu untergraben. Mit besonderem Ingrimm richtete er sich zuletzt gegen die Goldene n, womit er das Judentum meinte. Mit so wehmütigen Tönen schilderte er die Rot, die das Judentum dem deutschen Volkstum bereitet, daß die jugendlichen Zuhörer wirklich glauben mußten, dieses Volkstum liege in den letzten Zügen. Jüdisch sei die Presse, jüdisch sei der Handel, das Kapital, verjudet