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Im deutschen Reich · 1912-10-01 · Heft 10 (Oktober 1912) · p. 458

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 10 (Oktober 1912)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1912-10-01
Page
458 (sequence 9)
Language
German
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458 Im deutschen Reich. Utopien dieses waschechten Antisemiten: „Die einmal errungene staatsbürgerliche ' Gleichberechtigung kann nicht ohne die schwersten inneren Katastrophen und auch dann nur vorübergehend aufgehoben werde n. Nicht in einer Unterdrückung einzelner Volksteile, sondern in einer Annäherung und Verständigung derselben liegt das Heil der Zukunft. Humanität, Toleranz -- auch politisch und religiös Andersdenkenden gegenüber — und strenge Gerechtigkeit sind auch gutdeutsche Eigenschaften, die wir uns durch keine Rassenphilosophie wegdisputieren lassen wollen." Eine solche Annäherung und Verständigung wird von vielen deutschen Juden herbeigesehnt, insbesondere sind es strenggläubige Juden, die in Zuschriften an Zentrumsorgane und sogar auch an Organe der für eine Gleichberechtigung ihrer jüdischen Mitbürger doch nicht zu gewinnenden konservativen Agrarier solchen Wünschen Ausdruck verleihen. An dieser, durch Rassenfanatismus durchsetzten Stelle werden sie kaum jemals Verständnis für ihre vaterländischen Gesinnungen finden, eher vielleicht bei dem Zentrum. So hat z. B. der katholische „Westfälische Merkur" aus freiem Antrieb auf eine solche jüdische Zuschrift an die „Deutsche Tageszeitung" mit den Worten reagiert: „Es ist angebracht, in diesem Zusammenhänge darauf hinzuweisen, bafc auch zwischen gläubigen Juden und der Zentrumspartei in nicht wenigen Städten eine Gemeinsamkeit in der Abwehr zersetzender Tendenzen sich erfreulicherweise herausgebildet hat." Die durch das Hirsch-Telegraphenbureau am 4. September verbreitete Nachricht, den Bischöfen in Oesterreich-Nngarn, Rußland und im Orient sei in einem päpstlichen Rundschreiben empfohlen worden, sich jeder Unterstützung des Antisemitismus zu enthalten, sondern darauf hinzuwirken, daß Gewalttätigkeiten gegen Israeliten vermieden werden, ist von dem römischen Vertreter der „Politischen Korrespondenz" als unbegründet bezeichnet worden. Der Vatikan mißbillige entschieden alle Handlungen, die mit den Geboten der christlichen Nächstenliebe in Widerspruch stehen, und es unterliege nicht dem geringsten Zweifel, daß er gewalttätiges Auftreten von Katholiken gegen Juden verurteile. Es bestehe jedoch kein Grund, diesem Standpunkte des Vatikans, über den man überall unterrichtet sei, in einem Rundschreiben Ausdruck zu geben. Wünschenswert wäre es dennoch, daß die katholischen Kirchenfürsten, die selbst wohl sämtlich die durch die Erfinder von Ritualmordmärchen herbeigeführten Ausschreitungen verabscheuen, in dieser Richtung ihren Einfluß auf die Ortsgeistlichen geltend machten, die viel Anheil verhüten könnten. Wie in polnischen Blättern berichtet wurde, ist es in P e t r i k a u am 28. August dadurch zu einem förmlichen Pogrom gekommen, daß ein junges

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