Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-10-01
- Page
- 457 (sequence 8)
- Language
- German
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Amschau. 457 wenige neue jüdische Offiziere eingestellt worden sein, so daß die Anregung des liberalen Abgeordneten Dr. Casselmann durchaus zeitgemäßi war. Bei unfern Protesten gegen die Zurücksetzungen der deutschen Juden im Heere und in der Verwaltung hat es sich nie um äußerliche oder materielle Vorteile gehandelt. Die nur durch Abtrünnigkeit abzuwehrenden Zurücksetzungen sind nicht nur eine völlig unverdiente Herabwürdigung unserer Religion, sondern eine fortdauernde Auffrischung des Glaubenshasses. Sie entziehen unserer Religionsgenossenschaft Elemente, die wegen ihrer Intelligenz oder ihres Besitzes von dem Staat als sehr nützlich betrachtet werden, wobei er auf Charakterstärke kein Gewicht legt. Diesen traurigen Verhältnissen gegenüber spricht die antisemitische Statistik dem Worte Hohn: „Zahlen beweisen." Sie beschönigt das Anrecht, das uns widerfährt, indem sie eine alle jüdischen Wünsche erfüllende prozentuale Berücksichtigung bei der Besetzung der akademischen Lehrstühle dadurch nachzuweisen versucht, daßsie zu den „hebräischen Professoren und Privatdozenten" den akademischen Staatsbürgern jüdischen Glaubens willkürlich die zahlreichen „christlichen Bürger jüdischer Abstammung" hinzurechnet. Daß der Centralverein jemals über Zurücksetzung der getauften Juden in der Armee und besonders an Universitäten Klage geführt, ist eine so unsinnige Behauptung der „Staatsbürger- Zeitung", daß es nicht lohnt, darüber ein Wort zu verlieren. Die Zurücksetzung der vom Judentum Abgefallenen geht uns absolut nichts an - mitunter finden sie bei der Antisemitenpresse Unterkommen. Das soeben in zweiter Auflage erschienene Buch von Daniel Freymann: „wenn ich der Katfer wär" stellt die letzten Folgen der antisemitischen Gedankenreihen dar, die in den Kreisen der Tivoli-Konservativen und Deutsch-Sozialen gang und gäbe sind und praktisch ihren Ausdruck in dem Ruf nach dem „starken Mann" gefunden haben. Die Verwirklichung der alldeutsch-antisemitischen Ideale Freymanns dünkt selbst vielen Antisemiten wenig wahrscheinlich, aber ihre Wünsche zielen, doch dahin. Sein Plan einer Reichsreform umfaßt die Aufhebung der Iudenemanzipation, die Entrechtung der Polen, Dänen und Elsaß-Lothringer, Beseitigung des allgemeinen Wahlrechtes, die Lösung der deutsch-englischen Frage durch Blut und Eisen, und wenn Frankreich England beistehen sollte, einen Angriffskrieg gegen Frankreich. Der Reichstags- und Landtagsabgeordnete F. Hofs sagt am Schlüsse seiner Besprechung der