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Im deutschen Reich · 1912-10-01 · Heft 10 (Oktober 1912) · p. 455

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 10 (Oktober 1912)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1912-10-01
Page
455 (sequence 6)
Language
German
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Umschau. 455 „Deutsch-Ostafrikanischen Zeitung", die „Felix-Dahn-Stiftung" usw. in einem Bureau vereinigt und zur Leitung der Gemeingeschäfte ein Herr, der sich K. Rolf nannte, berufen. Es hat sich herausgestellt, daß>, ganz abgesehen von den Veruntreuungen, die dieser Herr begangen hat, wir es hier mit einem Manne zu tun hatten, den man ruhig einen in der Wolle gefärbten Ultramontanen nennen kann. Ja, man geht so weit, zu behaupten, daß dieser Mann direkt bestellte Arbeit für Rom getan hat. Rudolf Lencer, der sich K. Rolf nannte, stammte aus dem katholifchen Eichsfeld und hat in Straßburg eine entschieden deutschfeindliche Erziehungsanstalt besucht." Schärfer hätte sich das Antisemitenblatt kaum äußern können, wenn es in 6er Lage gewesen wäre, den „Schlag aus heiterem Himmel" auf einen seiner Mitarbeiter jüdischer Abstammung zurückzuführen. Das Lieblingsthema der deutschen Antisemiten bildet neuerdings auch die Aussennrischurrg im deutschen Adel. Daß der Adel nicht selten seine Wappen mit den Mitgiften von Jüdinnen neu vergoldet, gilt uns Juden als eine beklagenswerte Tatsache, die eine ernstere Behandlung verdient, als sie in dem geschäftsantisemitischen „S em i g o t h, a", einem angeblich „historisch-genealogischen Taschenbuche", erfahren hat. Daß der Verfasser dieses völlig unwissenschaftliche Machwerk für Antisemiten durch einen tückischen Angriff auf unseren Eentralverein schmackhaft machen wollte, ist von geringer Bedeutung. Es genügt, derartiges niedriger zu hängen. Im „Semigotha" ist nämlich einem Beschlüsse der vorigen Delegierten-Versammlung des Eentralvereins ein verfänglicher Satz hinzugefügt worden. Der Ende Februar 1911 gefaßte Beschluß lautete: „Unsere Vertrauensmänner sollen innerhalb der politischen Parteien sich organisieren und auf ihre politischen Parteien derartigen Einfluß zu gewinnen suchen, daß diese nur solche Kandidaten aufstellen, welche volle Gewähr bieten für antisemitengegnerische parlamentarische Tätigkeit." Der im „Semigotha" daran angeschlossene Satz „Wobei unter Antisemiten alle diejenigen verstanden werden, welche zersetzenden jü dis chen Einfluß auf unser Volksleben e r k e n n e n d ihn bekämpfen und s i ch d e r wirtschaftlichen Erdrosselung durch das Judentum erwehren wollen!" ist selbstverständlich in der Versammlung weder beantragt noch beschlossen, sondern von dem antisemitischen „Historiker" ebenso frei erfunden wie viele seiner Angaben über die jüdische Abkunft zahlreicher deutscher Adelsfamilien. Das „Deutsche Adelsblatt" und

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