Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-10-01
- Page
- 453 (sequence 4)
- Language
- German
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Umf<f)ü'u. 453 Knappen der Reaktion nicht tanger nasführen lassen wollen. Wir rechnen es uns zur. Ehre, daß auch die Antisemitenpresse den Centralverein denen zuzählt, die bei den letzten Reichs- Lagswahlen ihre Schuldigkeit getan haben; es freut uns vielmehr, wenn sie unser offenes Bekenntnis erwähnt, daß wir uns in bezug aus Treue und Vaterlandsliebe von wüsten Hurra- Patrioten nicht übertreffen lassen. Warum wir trotz dieser festen Gesinnung „unter Umständen" empfehlen, stets einen Gegner des antisemitischen Kandidaten zu wählen, ist sicher keinem Vernünftigen zweifelhaft; denn es ist.Pflicht jedes VaLerlandsfreundes, von den Volksvertretungen Männer sernzuhalten, die ein einträchtiges Zusammenwirken ohne Unterschied der Abstammung und des Religionsbekenntnisses unmöglich machen. Bei den Wahlen kämpfen wir nicht nur für unsere Gleichberechtigung, sondern für das Vaterland gegen eine Bewegung, die ihm zur Schmach gereicht. Die „Kreuzzeitung" will das „nationale Ideal" ausgegraben sehen, das allein werbende Kraft habe und siegreich wirken könne; es müsse sich nur ein Führer finden, der die Deutschen zu deutschen Taten zu leiten verstünde. Bei dieser Ausgrabung will ihr die „Staatsbürger-Zeitung" beistehen, die dabei schon einen jugendlichen Führer im Auge hat und hoffnungsvoll erklärt: „Schon wird in jedem Deutschbewußten mächtig der Gedanke von einer großen Partei der Rechten, die irr des Vaterlandes höchster Rot zum Schutze deutscher Art und Sitte bereitstehen wird." — Daß mit deutscher Art und Sitte weder die Ziele noch die Mittel der mit dem Antisemitismus behafteten Konservativen vereinbar sind, verbürgt eine bessere Zukunft; denn wie kein irdischer Zustand kann auch die „antisemitische Bewegung unter konservativer Protektion" nicht ewig währen! Deuten auch nur schwache Zeichen auf einen bevorstehenden Wandel hin, so sind sie doch unverkennbar, da selbst aus der Mitte der zum schwarz-blauen Block gerechneten politischen Kreise jetzt einzelne Stimmen laut werden, die den BerussanLisemiten wenig gefallen können. Die den Konservativen-sympathische Fuhrmannsche Richtung unter den UationalU&evalen scheint mehr unb mehr in Mißkredit zu kommen, selbst in dem eigenen Wahlkreise dieses Abgeordneten, der das Mandat kaum wieder erhalten wird. Die „Kölnische Zeitung" konnte, unbekümmert um antisemitisches Gekläff über die Ilnzuverlässigkeit der Nationalliberalen, eine von dem Geschichtsschreiber Hermann Oncken verfaßte Biographie Lassalles rühmen, in der dessen „aristokratisches Reinheitsgesühl" betont und von seinem