Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-10-01
- Page
- 452 (sequence 3)
- Language
- German
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452 Im bmt]d)en Reich. Licht auf die konservativen Politiker, die doch endlich wissen müßten, daß die deutschen Juden die Erfüllung ihrer berechtigten Forderungen weder erbetteln noch erkaufen wollen, sondern von dem Gerechtigkeitssinn des deutschen Volkes erwarten. Je offener die Konservativen sich übrigens dazu bekennen, die Nährväter des Antisemitismus zu sein, desto dringlicher erscheint ein fester Zusammenschluß aller Elemente, die der antisemitischen Wühlereien ebenso überdrüssig sind wie des. Mißbrauchs der deutsch-nationalen Flagge zu einem undeutschen, rückschrittlichen Treiben. Mit völkischen Tendenzphrasen verbrämt, konnte die Antisemitenpresse ungefährdet das germanische Heidentum verherrlichen, wenn sie nur nebenher irgendeine freireligiöse Aeußerung eines Schriftstellers, der nie dem Judentum angehört oder sich längst von ihm losgesagt hat, als einen jüdischen Angriff auf das Christentum hinstellte. Am 27. Juni konnte man in der antisemitischen „Deutschen Wacht" einen derartigen Angriff lesen: „Gegen das Nebel des Geburtenrückgangs in Preußen kann nur eine Weltanschauung helfen, die dem Leben seinen Wert gibt und den einzelnen Menschen hineinpflanzt in eine Zukunft auf dieser Welt. So eine hatten unsere germanischen Altvordern. Aber das Christentum mit seiner Gnadenerlösung betrachtet sich als etwas Höheres, obwohl es gegen den Lichtglaubeu 5er alten Gernranen platter Materialismus x\i unb die Lebensverneinung früher oder später mit sich bringen mußte." Genau so wie antisemitische Lehren die religiösen Üleberzeugungen erschüttern, schädigen antisemitische Versuche, die Regierung zu bevormunden oder undeutscher Neigungen zu beschuldigen, die monarchische Volksgesinnung und die deutsch-nationale Sache, da sie die Gegner des Reiches zum Angriff ermutigen. Daß dieses Treiben mit einem deutsch-nationalen Programm im schroffsten Widerspruch steht, hat die Aebereinstimmung des klerikalen „Badischen Beobachters" mit den „Deutsch-Sozialen Blättern^ und noch viel deutlicher das Vergnügen bewiesen, mit dem die preußenfeindliche Zeitschrift „Das Bayrische Vaterland" die dreisten Artikel dieses Antisemitenblattes abdruckt, die den Kaiser als von Juden beeinflußt hinstellen und die letzten Reichstagswahlen als „Iudenwahlen" bezeichnen. Derartige Aeußerungen sind natürlich Wasser auf die Mühlen aller Gegner des deutschen Reiches. Daß im Kreise H a g e n o w - G r e w e s m ü h l e n der rückschrittliche Kandidat Pauli unterlag, der in gewissem Grade Fleisch vom Fleische und Geist vom Geiste der „Deutsch-Sozialen" ist, wurde auch als „Iudensieg" bezeichnet, um die Tatsache zu bemänteln, daß mündige deutscheMäuner sich von den antisemitischen