Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-10-01
- Page
- 451 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 451 Lobeserhebungen hervor, die er allen antlsemitlschen Parteisplittern, insbesondere den „Deutsch-Sozialen" widmet, die er ins konservative Lager zu locken sucht. Der politische Instinkt müsse den Deutsch-Sozialen sagen, daß für sie als selbständige Partei der Kamps aussichtslos sei. Wenn auch im Reiche unentbehrlich, sei der Antisemitismus als Grundlage für Parteibildungen unzureichend, die ' antisemitische Kampfesweise zu sehr auf derbe Volkstümlichkeit zugeschnitten, die Taktik der Konservativen, die zu ihrem „Tivolibau" einen antisemitischen Eckstein genommen hätten, weit aussichtsvoller. Sobald als möglich möchten deshalb die antisemitischen Kinder durch die Offenstehende Tür in das konservative Vaterhaus zurückkehren; denn dort, innerhalb einer großen reck)tsstehenden Partei, könnten sie ihre deutsch-völkischen Ideale mit Erfolg pflegen. Der Vertreter der Heydebrandschrn Ideale resümiert sich dahin, daß die Zusammenfassung weit auseinanderstrebender Elemente, die der Haß und Rebermut der Demokratie auf der bürgerlichen Linken herbeigeführt hätte, auf der Rechten „durch die Rot des Vaterlandes bewirkt werden sollte." Das heißt doch wirklich die Dinge umkehren; denn die Rot wird im Vaterlande bekanntlich in den Kreisen am wenigsten verspürt, die sich um das Heydebrandsche Banner scharen. Richt in den bürgerlichen Kreisen wurzeln Haß und Aebermut, sondern der Rebermut der Agrarier hat sich zu dem blinden Haß der Antisemiten gesellt. Der Ausfall der Reichstagswahlen und die Besorgnis, ba% die Besitzsteuerfrage von den liberalen Parteien schließlich doch mit Hilfe der Sozialdemokratie eine Lösung finden werde, die den schwarz-blauen Block an die Wand drückt, treiben selbst frühere Angehörige des Blocks in das antisemitische Lager, die bisher der antisemitischen Bewegung fernblieben. So hat in der Rümmer des „Tag" vom 25. August der Landtagsabgeordnete Freiherr von Zedlitz und Reukirch bei einer Erörterung der „Bedeutung des Besitzsteuerproblems" eine seltsame Drohung zum Ausdruck gebracht, falls die „mit einem ft a r k semitisch e n Einschläge" durchsetzten liberalen Parteien sich zu dem Zweck der Sprengung des schwarz-blauen Blocks mit der Sozialdemokratie verbinden sollten. Sr sagt: „Solche Tendenzen treten seit einiger Zeit immer stärker und anmaßlicher auf und rufen so heftigen Widerspruch hervor, daß auch die Erfüllung berechtigter Forderungen der Juden in weitere Ferne denn je gerückt scheint." Daß, der Freiherr von Zedlitz und Reukirch mit dieser offenbaren Drohung die Ersüllung berechtigter Forderungen von der Verleugnung der politischen Reberzeugung abhängig wachen will, wirft ein grelles