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Im deutschen Reich · 1912-10-01 · Heft 10 (Oktober 1912) · p. 448

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 10 (Oktober 1912)
Article
Moritz Goldsteins "Deutsch-jüdischer Parnaß"
Date
1912-10-01
Page
448 (sequence 12)
Language
German
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44-8 Im deutschen Reich. im Laufe einer mehr als tausendjährigen Gemeinschaft mit d em D eutsch tum so eng in den Wurzeln Derw a ch s e n, daß beide nicht mehr voneinander g e! ö st werden können." Und ist er nicht selbst das schlagendste Beispiel dafür, wie ein Jude, der aus Trotz und verzweifelter Empörung gegen den Antisemitismus ausschließlich Jude sein möchte, deutsch ist bis auf die Knochen? Ein Mann, der die Worte schreibt: „Auch wir sind Schüler der Griechen und Römer, auch wir haben an Schiller unsere Ideale gebildet, auch wir Haber: über dem Faust gegrübelt und sind jung gewesen mit dem Grünen Heinrich. And wenn wir Ehrgeiz haben — unh wir h a b e n Ehrgeiz —, welches sind die Vorbilder, die uns voranschreiten? Goethe und Lessing, Kant und Beethoven" — ich frage: Kann ein solcher Mann ausschließlich Jude und nichts als Jude sein im Sinne des osteuropäischen Kulturjudentums? Mit der Zunge wohl, zumal dieser selbe Mann scheinbar nicht einmal mehr ein Verhältnis zu jüdischer Frömmigkeit besitzt. („Wir predigen nicht mehr", sagt er, „eine mosaische Konfession.") — D a s i st d a s G r u n d g e b r e ch e n, a n d e m d e r K u n stvo a r t a u f s a tz krankt, und wodurch er auch die Oesfentlichkeit in ihrer Stellung zur I ud e n - frage irre führt: Daß er von der Voraussetzung a u s g e h t, es b e ste h e kein prinzipieller Unterschied in der Iud enfrage des O st e n s und des Westens. Der Ostjude kann das Rezept, das Moritz Goldstein gibt, befolgen: sich nur als Jude zu bekennen und nichts weiter sein zu. wollen als Kultur- und Rationaljude, denn er lebt in einer kulturlosen Umgebung und wurzelt noch in einer wenn auch noch so verkümmerten jüdischen Kultur mittelalterlicher Herkunft. Wir Westjuden hingegen sind und können nichts anderes sein als Kulturdeutsche bzw. Kulturfranzosen, Kulturengländer, nicht aus äußerer AssimilationZsucht, sondern weil die Vorsehung unser inneres und äußeres Schicksal mit dem der westeuropäischen Kulturnationen unauflöslich verknüpft hat. Rur diese Erkenntnis gibt uns den Faden, an dem wir uns aus dem Irrgarten der Logik, in den Moritz Goldstein uns hineingeführt hat, herausfinden können. DieseErkenntnis findet sich übrigensauchauf zionistischer Seite. Ich erinnere an den trefflichen Aufsatz von Dr. Franz Oppenheimer „Stammesbewußtsein und Volksbewußtsein, nachgedruckt im Kölner „Israelitischen Gemeindeblatt" vom 23. Februar 1910. Auch er will für uns westeuropäische Juden nichts wissen von der Verquickung nationalistischer Ideologie mit dem Zionismus, d. h. mit der Schaffung einer öffentlich rechtlichen Heimstätte für die unglücklichen Massen des Ostens.

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