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Im deutschen Reich · 1912-10-01 · Heft 10 (Oktober 1912) · p. 439

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 10 (Oktober 1912)
Article
Moritz Goldsteins "Deutsch-jüdischer Parnaß"
Date
1912-10-01
Page
439 (sequence 3)
Language
German
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Moritz Goldsterns „Deutsch-jüdischer Parnaß". 439 ängstlich darüber, daß auch die andern nichts merken." Daß es Juden gibt, die sich „germanisch klingende" Namen zulegen, wer wollte das leugnen? Freilich haben sie eine Entschuldigung: sie wollen unsachlicher Kritik ihrer Arbeiten entgehen. Es ist ja ein beguemes Mittel, eine Leistung mit dem Bemerken abzutun, sie stamme von einem Juden. Aber wie Moritz Goldstein behaupten kann: „Die Juden wachen ängstlich darüber, daß auch die andern nichts merken von der Nolle, die sie im deutschen Kulturleben spielen", ist mir unerfindlich. Weiß er nichts davon, daß in den regelmäßigen Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus der Name eines jeden deutschen Juden, der irgendwie Bedeutenderes geleistet, gebucht wird, und zwar seit Jahrzehnten, lange bevor es in Deutschland noch einen organisierten Zionismus gegeben hat? Derselbe Verein hat vor nicht langer Zeit eine Broschüre herausgegeben unter dem Titel: „Der Juden Anteil am Fortschritt der Kultur", in der sogar hie und da auch Juden von temporärer Bedeutung als deutsche Kulturträger angeführt sind. Ich selbst habe im vorigen Jahre auf der Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden in Berlin — also vor breitester Oeffentlichkeit — einen Vortrag gehalten, „Das deutsche Geistesleben und die Juden", in welchem ich als Deutscher und Jude u. a. dieselbe Behauptung vertreten habe, die Moritz Goldstern in einem späteren Teil seiner Arbeit vertritt: daß nämlich deutsche Kultur zu einem nicht geringen Teil jüdische Kultur ist. lind wie oft seit dem Neuaufflammen der antisemitischen Bewegung haben Hunderte ihres Deutschtums stolze Juden in Wort und Schrift auf die Juden hingewiesen, die Deutschlands Ehre und Nahm gemehrt haben. Freilich haben sie das getan, um dem verbissenen Nationalismus antisemitischen Angeistes entgegenzutreten, der den deutschen Juden die Fähigkeit abspricht, deutsche Art zu verstehen und deutsche Kultur zu fördern. Wir deutsche Juden haben dieses absprechende Arteil in den meisten Fällen als Angerechtigkeit und böswillige Verleumdung betrachtet und haben die Behauptung, man fühle instinktiv bei jeder Leistung eines deutschen Juden das Asiatische und Andeutsche heraus, für den Ausdruck antisemitischer Anwahrhaftigkeit gehalten. Moritz Goldstein scheint aber zu glauben, das fragliche Gefühl sei echt. Mit welcher verzeihenden Milde behandelt er einen Chamberlai n, den er zu den „besten Geistern", zu den „klugen, wahrheitsliebenden Männern" zählt, die, sobald von Juden die Bede ist, in einen an Tollwut grenzenden Haß geraten. Auf der folgenden Seite freilich spricht er von den unzähligen Angerechtigkeiten und Fälschungen in dem „verhängnisvollen" Buche Chamberlains, den der Haß dazu verführt, alle Tatsachen auf den Kopf zu stellen. — Also einen Mann, den der Haß zu

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