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Im deutschen Reich · 1912-09-01 · Heft 9 (September 1912) · p. 429

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 9 (September 1912)
Article
[Ohne Titel]
Date
1912-09-01
Page
429 (sequence 8)
Language
German
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VereinsnachrichLen. 429 texte Beschwerden zugehen, ist es schwer, für Abhilfe zu sorgen. Wir empfehlen vielmehr, entweder auf frischer Tat Beschwerde zu erheben oder uns genaue Einzelheiten über Art, Zeit und Ort mitzu teilen. — In Antisemitenblättern wurde gleichlautend folgende Rotiz veröffentlicht: „Ein auffallendes Inserat findet sich in der letzten Ausgabe der „Berliner Aerzte-Korrespondenz"; es lautet: „Arztwaise, 25 Jahr, freidenkende Jüdin, die Ghmnasialbildüng bis Oberprima und christlichen Religionsunterricht genossen hat, sucht zum 1. August Stellung alsReisebegleiLerin oder Gesellschafterin." — Wan fragt sich unwillkürlich, wozu hebt die „freidenkende Jüdin" ihren christlichen Religionsunterricht hervor? Hofft sie vielleicht, daß christliche Eltern ihre Kinder von einer Jüdin den Religionsunterricht werden erteilen lassen? Oder welch anderer Grund liegt vor, daß in dem Inserat auf die besonderen Religionskenntnisse der „freidenkenden" Arztwaise aufmerksam gemacht wird?" — In diesem Falle befinden wir uns in der seltsamen Lage der Aebereinstimmung mit der antisemitischen Kritik. Wir können es nur bedauern, daß die jüdische Religionsgemeinschaft Angehörige hat, die sich selbst so niedrig einschätzen. — Angesichts der großen Fortschritte des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfenverbandes kann nicht energisch genug darauf hingewiesen werden, daß es die Pflicht der jüdischen K a u f - lente ist, nicht nur von der Beschäftigung vno Mitgliedern des D. H. B. im eigenen Interesse Abstand zu nehmen, sondern ihre jüdischen und christlichen Angestellten dazu anzuhalten, paritätische kaufmännische Vereinigungen wie den „Verein deutscher Kaufleute", den „Verein deutscher Handlungsgehilfen" u. a. m. durch ihren Beitritt zu stärken. — Das Thema: „Die Berufswahl der jüdischen Jugend" hat unsere Ortsgruppen bereits im letzten Winter eifrig beschäftigt und wird voraussichtlich im kommenden Winter Anlaß zu fruchtbringenden Diskussionen geben. In unserer Frankfurter Ortsgruppe wurde darauf hingewiesen, wie nützlich es wäre, wenn jüdische junge Leute dem mittleren Gerichtsdienst und mittleren Postdienst sich zuwenden würden. Sie hätten auf diese Weise zugleich Gelegenheit, Vorurteile zu beseitigen. Es wurde mit Genugtuung festgestellt, daß in letzter Zeit junge Leute sich dieser Laufbahn bereits zugewandt haben. Anseres Erachtens ist der mittlere und niedere Beamtendienst eine der wenigen Berufsarten, welche praktisch für die Frage der Berufsumschichtung der Juden in Deutschland in Betracht kommen. — In der „Augsburger Postzeitung" wurde kürzlich berichtet, daß für deutsche katholische Geistliche Pässe nach Rußland nicht visiert werden dürfen und das Konsulat nach dieser

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