Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 9 (September 1912)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1912-09-01
- Page
- 427 (sequence 6)
- Language
- German
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427 B c r c ins Nachricht eu. Konfessionen sich befänden, die diesen Teil der Rede nicht ohne Widerspruch hinnehmen würden." — Am Freitag, den 7. Juni veröffentlichte die „Lippesche Tageszeitung" den Wortlaut einer Rede, die kurz zuvor Herr Hauptmann a. D. v. Levetzow auf der Landesversammlung des „Bundes der Landwirte" in Lemgo gehalten hatte und in welcher sich auch folgender Passus befand: „Also, nach liberaler Auffassung können sie in Deutschland nicht verlangen, frag, wir uns ihrer Minderzahl beugen sollen. Wie sehr sie das aber wünschen, hat sich gezeigt, als aufder Generalversammlung des Lentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gesagt wurde: Das Judentum kann im christlichen Staat nicht gedeihen. Deswegen miß der christliche Staat abgeschafft werden." Wir stellen daher hiermit fest, daß eine solche oder ähnliche Aeußerung niemals in einer L en tr a lv er ei ns-Vers amm l u ng gefallen ist. — Vor einiger Zeit erhielten wir die Nachricht, daß, sich ein Angestellter der Berliner Dampfschifffahrt-Gesellschaft Stern in einer die jüdischen Passagiere kränkenden Weise geäußert habe. Nnsere Beschwerde an die fragliche Gesellschaft hat den Erfolg gehabt, daß der betreffende Steuermann nach protokollarischer Vernehmung von dem Betriebsinspektior ernstlich verwarnt und ihm im Wiederholungsfälle die Entlassung angedroht wurde. — Unter der lieberschrift „W iderliche B l a s p he m i e" hat die „Deutsche Tageszeitung" sich tief entrüstet über ein in dem „illustrierten Wochenblatt für Humor und Satire, Alk" veröffentlichtes Bildgeäußert, das Adam im ParadiesgarLen vorstellt) ,dem der Engel Gabriel auf einer Schüssel Eva als „Rippenstück" serviert. Das Bild trug die Aeberschrift „Der erste Strohwitwer und sein Ende". Dem antisemitischen Agrarierblatt bot das Bild die erwünschte Gelegenheit, sich — an uns mit der Bemerkung zu reiben: „Bekanntlich sind die grundlegenden Bücher des Alten Testaments nicht nur den Christen, sondern auch unseren jüdischen Mitbürgern heilig. Wir verstehen nicht, wie diese sich eine derartig hämische und gemeine Verspottung gefallen lassen können. Der Eentmlverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hält sich für verpflichtet, die StaaLsanwaltschaften auf Verspottungen der jüdischen Religion hinzuweisen. Wir sind einigermaßen gespannt darauf, ob er in diesem Falle versagen wird." — Davon, ba% die grundlegenden Bücher des Alten Testaments den antisemitischen Gesinnungsgenossen der „Deutschen Tageszeitung" heilig sind, haben wir leider noch nichts bemerkt; im Gegentell wird die „Biblische Geschichte" in der Antisemitenpresse so verunglimpft, daß ihre