Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 9 (September 1912)
- Article
- Zur Jahrhundertwende des Emanzipationsedikts
- Date
- 1912-09-01
- Page
- 405 (sequence 17)
- Language
- German
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Zur Jahrhundertwende des Enianzipationsedikts. ’ 40", ehesten gerecht. Die Inden selbst sollten nicht ganz unnützerweise Dinge verlangen, die ihnen, zu allererst schaden würdeu; die Christen sollten den Juden die volle Gleichberechtigung geben und diese die Klugheit und den Takt besitzen, die Gleichberechtigung nicht überall ünd in vollem Amfange anszunützen. In diesen Sätzen ist Wahres und Falsches vermischt. Gewiß ist — das habe ich schon vor Jahren, bei der Einweihung des Verbandes gesagt — das Leben lebenswert, auch wenn man nicht Korpsstudent, Reserveoffizier und Landrat werden kann. And daß ein aufrechter Charakter höher steht als ein Streber, der sein Volkstum verleugnet, braucht wirklich nicht erst gesagt zu werden. Aber weshalb sollen wir die Staatsämter nicht erreichen können, u n b e s ch a d e t unserer Eigenart und ohne Verleugnung unserer selbst und unseres „Volkstums"(!)? Wenn wir stolz und treu sein wollen und sollen, so können wir es nicht dulden, &afy man uns um unseres Judentums wegen der kurulischen Äemter für nicht würdig und fähig hält? Ist es die Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft, die uns von dem vollen Bürgerrecht ausschließt, so ist der Kampf um unsere Gleichberechtigung unsere sittliche Pflicht. In diesem Kampfe dürfen wir nicht Nachlassen! Jede Mederlage sei das Sprungbrett zu erneutem Vorgehen. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sie mahlen. Anser Kampf ist durch das Ziel geadelt; daß, wir kämpfen, macht allein den Zustand erträglich. Am in der tatkräftigen Wahrung ihrer Gleichstellung dir deutschen Juden zu bestärken, ist der Centralverein deutscher Staatsbürger. jüdischen Glaubens gegründet worden. Am sein Banner können und sollen alle deutschen Inden sich scharen, ohne Anterschied ihrer religiösen und politischen Richtung, mögen sir freisinnig oder rechtgläubig, zionistisch oder nichtzionistisch fern. Sombart hat den Zionismus gefeiert und beit Begriff des deutschen SLaatsbürgers jüdischen Glaubens für Linen Bluff erklärt. Lassen Sie sich durch seine Worte nicht beirren, lassen Sie vor allem nicht durch ihn den Geist des Zwiespalts in unsere Reihe tragen. Bleiben wir einig! Lassen Sie mich heut ganz. besonders gerade mit Rücksicht aus den Streit, der um Sombart entbrannt ist, die Einigkeit betonen. Ich richte meinen Appell vornehmlich an die zahlreich hier versammelten jüdischen Studenten. Sehen Sie mehr auf das, was uns eint, als auf das, was uns trennt. Ob die Juden noch Volk, Ration, Rasse oder nur eine soziale und religiöse Gruppierung sind, ob es möglich sein wird, ein jüdisches Zentrum zu bilden, das nicht bloß den heimatlosen östlichen Juden eine Heimat bereitet, sondern allen Juden der ganzen Welt Vorbild und Hoffnung für die Zukunft sein wird, ob es wahr ist, daß, der jüdische Geist zurzeit heimatlos ist und eine Heimat erst gefunden haben wird,