Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 9 (September 1912)
- Article
- Zur Jahrhundertwende des Emanzipationsedikts
- Date
- 1912-09-01
- Page
- 404 (sequence 16)
- Language
- German
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404 Im deutschen Ae:ch. einweiht (Riesser), das ist die BluLtaufe des Schlachtfeldes. Die heutige Welt weiß, daß die nationale Verschmelzung sich mit sozialen Gruppierungen verträgt, daß' der Begriff des Volkes nicht bloß durch objektive Merkmale, sondern auchdurch subjektives Empfinden erfüllt wird, daß. mein Volk diejenigen sind, die ich' als mein Volk ansehe, mit denen ich geistig empfinde und fühle. Unser Blut hat sich mit dem ihrigen auf dem Schlachtfelde von. Leipzig, Düppel, Königgrätz und Gravelotte vermischt. Auf deutschem Vaterlande, auf deutschem Boden sind wir, so sagte ich es bei der Dezenniumfeier unseres Centralvereins, geboren und werden wir, so Gott es will, dereinst begraben sein, und das berechtigt uns auch ohne Taufe, uns Deutsche zu nennen. Wir wollen dem deutschen Vaterlande angehören und werden ihm angehören. Dabei können wir und müssen wir unserer Glaubensgemeinschaft und unserer Stammesgeschichte treu bleiben. „Stolz in der Eigenart sein und treu festhalten", hat unlängst unser König mit Bezug auf die deutschen Stämme gesagt. Ein stolzes und edles Wort, für das wir ihm Dank wissen, und das wir auch auf unsere SLammeseigenart beziehen können. Wir können stolz sein, nicht weil wir uns als auserlesenes Volk betrachten, sondern weil wir die Erben der ältesten Kultur sind, weil „das Iudenvolk es ist, das seit den Propheten, den großen ethischen Ton in das Menschheitskonzert gebracht, imb weil das große tragische Pathos, das die natürliche Welt versittlichen will, doch am Ende aus Juda stammt und erst von dorther in das Christentum übergegangen ist." Was ich hier zitiere, find Worte eines neuesten Wortführers in der Iudenfrage, der gleichfalls unsere Rechtsverkümmerung als ein gewolltes Schicksal verteidigt. Ich meine Sombart. Weber seine Schrift: „Die Zukunft der Juden" werde ich in unserer nächsten Versammlung ausführlich referieren; hier möchte ich nur mit wenigen Strichen seinen Standpunkt skizzieren. Sombart will, daß die Juden ihre Eigenart bewahren, nicht Assimilation, sondern Renaissance soll ihre Losung sein. Er begreife die Sehnsucht nach dem Staatsamt nicht und habe insbesondere kein Verständnis dafür, wie jemand ein solches Amt mit der Preisgabe seiner Aeberzeugung für sich' oder seine Kinder erkaufen könnte. Wenn sie nicht Offiziere und Professoren werden könnten, sollten sie mit der hübschen Redensart, antworten: „Wichtigkeit". Ein aufrichtiger Charakter bleiben und etwas Tüchtiges ' leisten, sei am Ende wichtiger, als Karriere machen, zumal dann, wenn man zu dem Zwecke sich und sein Volkstum verleugen soll. An dem bestehenden Zustande sollte man einstweilen nichts ändern; er werde, so unvollkommen und ungerecht er sei, doch den Interessen aller Beteiligten noch, am