Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 9 (September 1912)
- Article
- Zur Jahrhundertwende des Emanzipationsedikts
- Date
- 1912-09-01
- Page
- 401 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2316602-2316817-2316825-2346372--22862-2346411- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gur Iahryundertwenbc des Lmanzrpatronsedirts. 401 berechtigung zuteil werden zu lassen . Solange religiöse Verschiedenheit bestünde, könnte sie nicht ignoriert werden. Solange der Jude sein Nationalgefühl mit einem jüdischen Stammesgefühl teile, gäbe es keine Vertrauensstellungen. In keinem Lande der Welt seien die Staatsbehörden in ihrer Auswahl unter den Bewerbern anders als an Normativbestimmungen gebunden, niemals wurden sie durch das Gesetz verhindert, Bewerber auszuschließen, die nicht persönlich qualifiziert seien. Eine völlige administrative Gleichstellung würde zu einem unwiderstehlichen Reizmittel für die Befestigung und Bestärkung des Weltherrschaststriebes werden. Das Nationalgefühl fühlt sich verletzt durch den Anblick einer wahlhabenden Aristokratie, die fremdem Staat und Glauben angehöre und für die gutmütig eingeräurnte aristokratische Stellung bis jetzt den schuldigen Dank, nämlich Aufgabe des jüdischen Stammesgefühls und seiner Reöerhebung verweigere. Noch immer fehle es den meisten Juden an wahrem Stolz und wahrer Bescheidenheit, an prunkloser Würde und eitelkeitsfreier Selbsteinschätzung. Noch immer sieht man Selbstwegwerfung und Kriecherei gegen Höhergestellte, mit mißachtender Aeberhebung, gegen Tieferstehende, Speichelleckerei gegen den zu Ueberredenden und Frechheit gegen den Geprellten sich paaren, noch immer vermißt man jenes Ehrgefühl, welches andere Berussarten von etwa gleichem sozialem Niveau bereits besitzen; noch immer beherrscht das gewerbliche Spekülantentum oder gar der Krämersinn einen großen Teil der Juden, die sich wissenschaftlichen und künstlerischen Berufsarten gewidmet haben." Soweit Eduard von Hartmann! Glückliche Einfalt, die alles, . was lasterhaft ist, jüdisch-semitisch, alles, was gut, was tugendhaft ist, christlich-germanisch-arisch nennt, die alles Gute für die eigene Art, alles Böse für die fremde Art in Anspruch nimmt! Kindliche Einfalt des Gemüts, die ihr Auge davor verschließt, daß es Laster und Verbrechen auch in judenreinen Ländern — ich erinnere mir an den Kirchenstaat und Spanien — gegeben hat und gibt! Kindliche Einfalt, die ihr Auge davor verschließt, daß die Eigenschaften, die Eduard von Hartmann an den Juden so besonders rügt, wenn sie wirklich hier in größerem Maße vorhanden waren oder sind als bei den Christen, doch nur die Eierschalen des Ghetto sein würden. Wer hat denn das Volk der Priester, der Krieger, der Ackerbauer, das Volk, das der Welt den Typus des Gelehrten gegeben hat, der ohne.Absicht auf Erwerb, Gewinn und Ruhm lernt, bloß um zu lernen, zu einem Haufen Schacherer nnd Krämerseelen herabdrücken wollen? „Nennet nicht jüdisch", sagt Messer, „die traurigen Zeugnisse der Schmach und Unterdrückung, die euer rühmloser Uebermut uns anfgebürdet hat; denn wir wollen nicht christlich nennen den Geist der Hexenprozesse und der Scheiter-