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Im deutschen Reich · 1912-09-01 · Heft 9 (September 1912) · p. 400

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 9 (September 1912)
Article
Zur Jahrhundertwende des Emanzipationsedikts
Date
1912-09-01
Page
400 (sequence 12)
Language
German
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4(n Im deutschen 91 cid). Christentum nicht übergegangen sind, eine Versagung der Gleichberechtigung rechtfertigen. Wenn v. Treitschke uns rat, rückhaltlos Deutsche zu sein, so ist das, wie ich bereits an anderer Stelle gesagt habe, weiter nichts, wie der saubere Ausdruck für die perfide Taufe, und wer uns dazu rät, der versündigt sich an der Ethik unserer größten deutschen Geistesheroen, an dem Gedanken Goethes, daß. ein jeder, der die Religion wechselt, mit einer Art von Makel bespritzt wird, von der es unmöglich scheint, ihn zu reinigen. v. Treitschke fehlt das Gefühl dafür, daß, die Staatsbürgerrechte und die volle Menschenfreiheit — das ist die Befugnis teilzunehmen an den Staatsgeschäften — mit der Religion nichts zu tun haben, und daß, man bei der Proklamierung des vollen Menschenrechts für alleVolksgenossen so wenig nach dem Glaubensbekenntnisse des einzelnen zu fragen hat, wie danach, ob er Romantiker oder Klassiker, Idealist oder Materialist, Optimist oder Pessimist, Kantianer oder Hegelianer, Monist oder Dualist, Wagnerianer oder Mozartianer, Raphaelist oder Botticellist ist. v. Treitschke war physisch und geistig schwerhörig für die Rechte der Minderheit. Er war von glühendem Haß, erfüllt gegen alles, was nicht von seiner Art war. Er war, wie sein Fakultätsgenosse Windscheid sagt, dem edlen Schlachtroß vergleichbar, das nicht zu halten ist, wenn die Fanfare bläst. In seinen Worten, daß die Juden Deutschland für das Werk der Befreiung Dank schuldig sein sollen, zeigt sich der LNangel an unbefangener Wahrheitsliebe, an Gerechtigkeit des Anteils und an sorgfältiger, ruhiger Antersuchung, der, wie ein hervorragender christlicher Historiker, Baumgarten, sagt, dem zweiten Bande seiner deutschen Geschichte in ungewöhnlichem Maße eigen ist. In jenen Worten kommt nämlich nicht bloß der für einen Historiker kaum faßbare, mangelnde historische Sinn zum Ausdruck, der es übersieht,' daß, die Juden anderwärts viel früher und nachhaltiger befreit sind; es kommt vor allem ein Knechtessinn zum Ausdruck, der sich au Schillers großem Worte versündigt, daß eine Freiheit uns Alle frei macht. Ist der Mensch frei und wäre er in Ketten geboren, so ist die Anerkennung des Menschenrechts und der Menschenfreiheit kein Gnadengeschenk, das den Empfänger zu ewiger, demütiger Dankbarkeit verbindet, sondern die Versagung des Menschenrechts ist eine Versündigung am heiligen Geist, die den Versagenden schändet. 2. Fast fünf Jahre nach Treitschke hat unser großer Philosoph Eduard von H a r t m a n n, eine Schrift über die Iudenfrage veröffentlicht. Er sieht die noch nicht vollständige staatliche Gleichstellung der Juden mit den nicht-jüdischen Bürgern als eine prinzipiell berechtigte und nicht widergesetzliche an. Er sagt, die Behörden sind nicht genötigt, ihnen die volle Gleich-

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