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Im deutschen Reich · 1912-09-01 · Heft 9 (September 1912) · p. 394

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 9 (September 1912)
Article
Zur Jahrhundertwende des Emanzipationsedikts
Date
1912-09-01
Page
394 (sequence 6)
Language
German
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394 Im deutschen Reich. Ausnahmebestimmungen. Die mannhafte einmütige Zurück- Weisung dieser Gnade von seiten der jüdischen Generaldeputierten ist eine der schönsten Aeußerungen des Selbstbewußtseins. Auch hier ist das Verdienst der Lat mit dem Namen David Fried länder verknüpft. Erst die französische Revolution brachte die Dinge in etwas kräftigeren Fluß. Am 27. September 1791 hatte die Nationalversammlung alle Juden als berechtigt zum Bürgereide zugelassen. Napoleon, hat durch die Regelung der kirchlichen Verhältnisse der Juden die Emanzipation verwirklicht. Wan kennt sein Wort: „Es wäre Schwache, die Juden zu verjagen, es wäre Stärke, sie zu bessern." 4. Daß. die Emanzipation in Preußen Wahrheit geworden ist, ist der Einsicht zweier Männer zu danken, die die Schöpfer des neuen preußischen Staats geworden sind: dem Staatskanzler von Hardenberg und dem Freiherrn von Alten stein. Unter den Juden, die dafür gestritten und gewirkt haben durch Wort und Schrift, sei vor allem David Fried länders und der Aeltesten der Jüdischen Gemeinde Berlins gedacht. Hardenberg hat sein Losungswort, „daß Preußen berufen sein soll, die Früchte der 'französischen Revolution auf friedlichem Wege zu erlangen", auch den Juden gegenüber in die Tat umgesetzt. Er überragt dabei als Mensch an Vorurteilslosigkeit und Einsicht den Freiherrn von Stein, der zwar alle christlichen Einwohner in der Städteordnung gleichstellt, die Juden aber ausschließen wollte. Seitdem Hardenberg Staatskanzler geworden, nehmen die Dinge schnelleren Verlauf. „Ich stimme," sagt Hardenberg, „für kein Gesetz, das mehr als die vier Worte enthält: Gleiche Rechte und gleiche Pflichten." Am 11. März erschien das Edikt. Von den Juden wurde es mit Jubel und Rührung begrüßt. Sehnten sich doch, wie Staatsrat von Raumer an den Obertribunalsrat Pfeiffer schrieb, die Juden nach dem Edikt wie nach dem Messias. Das Edikt wurde ein Denkmal der Nnsterblichkeit genannt, dem Kanzler versichert, daß sein Andenken an seinen Kindern und Kindeskindern gesegnet werden wird. Am den Jubel zu verstehen, mit dem es begrüßt wurde, vergegenwärtige man sich den Zustand des Druckes und der Rechtlosigkeit, aus der es die Juden erlöste. Vom zünftigen Handwerk und der Landarbeit ganz ausgeschlossen, in der Bewegungs- und Niederlchsungsfreiheit sowie im Erwerb und Grundbesitz gehemmt, in Handel und Fabrikation beschränkt, von Lasten und Abgaben bedrückt, ja sogar vielfach zur Ehelosigkeit und Unselbständigkeit verdammt, erhielten sie mit einem Schlage die Menschen- und Bürgerrechte, erhielten Freiheit und Ehre und einen wenn auch bescheidenen Platz an der Sonne.

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