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Im deutschen Reich · 1912-09-01 · Heft 9 (September 1912) · p. 393

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 9 (September 1912)
Article
Zur Jahrhundertwende des Emanzipationsedikts
Date
1912-09-01
Page
393 (sequence 5)
Language
German
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Zur Iahrhundertwende des Emanzipationsedikts. 393 auch Schiller nicht, unser größter Freiheitssänger, der davon sprichtdaß, das erhabene Verdienst Mose nicht durch die Würdigkeit und Verworfenheit der jüdischen Nation getilgt werden könne; auch Goethe nicht, der den Juden nicht den Anteil an der höchsten Kultur vergönnen will, weil sie deren Ursprung und Herkunft verleugnen. „Am Lessings erleuchtete Stirn blühen Rosen im Kranz", wenn wir nicht den Sänger, sondern den Menschen krönen wollen. „Zu einer Zeit" — sagt Gabriel Riesser — „wo die Unterdrückung in der politischen Sphäre noch allgewaltig, wo noch kein Ring der tausendjährigen Fessel gelöst, wo noch kein dürftiger Strahl besserer Einsicht in das finstere Vorurteil der Masse gedrungen war, da fanden Duldung, Menschenliebe, Versöhnung der Religionen ein herrliches Asyl im Zauberreich der Lessingschen Muse. Es war kein eitles Bild, das hier dem müßigen Ergötzen aufgestellt war, es war ihre Zukunft, ihr Ziel, ihr Ideal, das der Menschheit in dem Zaubermantel der Dichtung vor die Augen geführt ward." Als Lessing 1747 „die Juden" schrieb, hatte er Moses Mendelssohn noch nicht gekannt, um so bewunderungswürdiger ist der Geist allgemeiner Menschenliebe, der aus Lessing spricht. Neben Lessing verdient b:v Kriegsrat Christian Dohm genannt zu werden. Seine Schrift von 1781 über die bürgerliche Verbesserung der Juden ist ein klassisches Werk, das, wie Geiger sagt, „von Gerechtigkeitsliebe und historischem Sinn getragen" ist. „Die Vergehungen, die man den Juden vorwirft, zwingt man sie zu begehen, indem man ihnen keinen schuldlosen Erwerb gestattet, sie mit Abgaben erdrückt; es ist der Menschlichkeit und Gerechtigkeit, sowie der aufgeklärten Politik gemäß, den Zustand der Juden zu ihrem eigenen und des Staates Wohl zu bessern." Aber solange der große König lebte, war eine Aenderung nicht zu erwarten. An seinen Nachfolger, Fr. Wilhelm II., knüpften sich Hoffnungen und Erwartungen. Am 6. Februar 1787 überreichten die Aeltesten der Berliner Iudenschaft dem König eine von David Friedländer verfaßte Bittschrift um Verminderung ihrer Lasten und Zugang zu ehren- - haften Erwerbsquellen und um Bewilligung eines Anteils an den bürgerlichen Rechten. Dieses Gesuch ist das erste Zeugnis, mit welchem die preußischen Juden im Bewußtsein ihres Rechts für ihre Emanzipation eintraten. Eine Kommission zur Reform des Iudenwesens wurde eingesetzt, am 12. Dezember 1787 der Iudenzoll aufgehoben. Aber der Bericht der Kommission vernichtete die Hoffnungen der Juden. Ein vorläufiger Ministerialerlaß vom 18. Dezember 1789 gewährte nur einige Erleichterungen neben zahlreichen

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