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Im deutschen Reich · 1912-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1912) · p. 377

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1912)
Article
Werner Sombart: Die Zukunft der Juden [Rezension]
Date
1912-07-01
Page
377 (sequence 3)
Language
German
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Buch erschau. 'dl7 schauern ab. die sie angeblich nicht billigen. — Die Gegensätze sollen nicht geringer, sondern größer geworden sein. Völkische Eigenart werde heute deutlicher empfunden als vor 30 oder 50 oder 150 Jahren. Dem gegenüber möchten wir betonen, daß beispielsweise vor 150 oder 100 Jahren — nach allem, was wir von der jüdischen Geschichte wissen — die Juden viel mehr und tiefer als Nation, als fremde Nation betrachtet wurden. Bei dem Erlaß des preußischen Iudenedikts von 1812 wurde ausdrücklich amtlich erklärt, daß nunmehr der staatsrechtliche Begriff „jüdische Nation" aufgehört habe, und bajj, die Juden nur mehr noch als eine kirchliche Gemeinschaft angesehen würden. Sehr lehrreich erzählt Herr Sombart, daß in Amerika früher die Neger als Lasttiere sehr geschätzt waren, erst nach 'ihrer Freilassung, da sie „in alle Poren des amerikanischen Lebens eindringen", habe sich ein ungeheurer Haß der Weißen gegen sie entwickelt. (Grund: sie treten nämlich mit dem Anspruch als Menschen in der Gesellschaft auf.) Als die Juden früher gänzlich rechtlos waren, „verachtete" man sie — sagt Sombart — eigentlich nur, weil es die Tradition so wollte, erst nach der Emanzipation begann so recht das Bewußtsein der inneren Gegensätzlichkeit. (Grund: sie beanspruchen nämlich, mit gleichem Maße wie die anderen gemessen zu werden.) Sombart vertritt die Anschauung von der geistigen Herrschaft der Juden, weil eine nicht geringe Anzahl von Juden sich in Literatur, Musik, Theater, Politik eine Stellung erworben hat, oder vielleicht auch, weil ein nicht ganz ausgegorener jüdischer Jüngling möglicherweise einmal eine deplacierte Bemerkung (die dann der Allgemeinheit zur Last gelegt wird) getan hat, die Herrn Sombart oder einem andern Herrn von (Entftug, nicht paßt. „Verjudung" nennt sich dann das kurz, prägnant und bedenklich. Ein Wort läßt sich dagegen sagen: Wenn die geistige Herrschaft der Juden Tatsache wäre, dann wäre der Zustand der Rechtlosigkeit trotz Verfassung und Gesetz (verdient die geübte Verwaltungsprellerei eine andere Bezeichnung?), unter dem die Juden annoch seufzen, mit einem Schlage ein Märchen. Es ist uns unerfindlich, wie sich geistige Herrschaft mit Rechtlosigkeit verträgt. Aber das wollen wir ausdrücklich hinzufügen, daß von bedeutenden nichtjüdischen freidenkenden Geistern ausgesprochenerwaßen gegenüber der frömmelnden kirchlichdogmatischen Richtung unserer Zeit, den engherzig-politischen Auffassungen guter jüdischer Geist, d. h. geistig freies, uneingeengtes Denken — nicht ungezogene Musterungen eines einzelnen, die von der Allgemeinheit nicht gebilligt werden — als wahres Labnis empfunden wird.

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