Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- Werner Sombart: Die Zukunft der Juden [Rezension]
- Date
- 1912-07-01
- Page
- 376 (sequence 2)
- Language
- German
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376 Im deutschen Reich. durch den jüdischen Geist") von der „Verjudung" sieht. Von diesem Gedanken aus mufr man an die Prüfung der einzelnem Elemente seiner Schrift Herangehen. Am wenigsten angreifbar ist das, was S. über das Schicksal der „Ostjüven" ausführt. Das Problem der östlichen Juden ist seiner Meinung nach ' eut Unterbringungs-, ein Versorgungs-, genauer ein Ansiedlungs- oder Umsiedlungsproblem. Man wird ihm — in der Hauptsache — sicherlich darin beistimmen. Auch daß die diesbezügliche, von den großen jüdischen' Organisationen (Alliance, Ica, Hilfsverein) seit langem geübte Tätigkeit durch zionistische Richtungslinien wesentlich gefördert worden ist, ist unbestritten. Der Streit wird sich in der Hauptsache um die Auffassungen drehen, die Sombart für die westlichen Juden aufstellt und vertritt. Wir wissen sehr wohl, wie in der Politik der Hinweis auf Reichtum der Juden, der Anteil an den „Segnungen" der höheren Bildung (die Gänsefüße sind von Sombart gesetzt) gegen uns benutzt werden. Sombart stellt — statistisch — die Juden (in Deutschland) als Ganzes den Christen als Ganzes gegenüber. Die Juden kommen dabei — wie man will— zu gut oder zu schlecht weg. Es darf doch die berufliche und gesellschaftliche Schichtung der Juden als Mittelstand nicht außer acht gelassen werden. Man vergesse doch nicht, wie die große Anzahl der Bauern, Industriearbeiter, Beamten, unter denen die Juden fast gar nicht vertreten sind, das statistische Bild verändern müssen. Es wäre ungefähr dasselbe — wie Segall zutreffend ausführt („Die beruflichen und sozialen Verhältnisseder Juden in Deutschland") —, wie wenn jemand die Gesamtsteuersumme der in einem großen Warenhaus tätigen Personen, sowohl des Inhabers und der Angestellten zusammen berechnen und aus der Größe derselben einen Schluß ziehen wollte auf das durchschnittliche Einkommen der im Warenhaus Tätigen. Man würde ohne weiteres entgegenhalten können, Laß. diese Berechnung nicht stimmen kann, weil dem hohen Einkommen der Chefs und einiger weniger leitenden Beamten das geringe Einkommen der Angestellten gegenübersteht. Bei Sombart ist die jüdische Rasse zwar nicht minderwertig wie bei Chamberlain, aber „arisch" und „semitisch" verträgt sich nach ihm nun einmal nicht. — Wir haben an anderer Stelle klar zum Ausdruck gebracht, wie wir über Mischehen denken, aber die große Zahl der nun einmal vorkommenden Mischehen spricht nicht sehr für die Sombartsche Anschauung. Höchst lustig ist die These von den „Bewußtseinsinhalten", die gegen die Vermischung sprechen sollen. Die Vermischung hängt doch wohl mehr von den Vermischenden als von den Zu-