Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- Werner Sombart: Die Zukunft der Juden [Rezension]
- Date
- 1912-07-01
- Page
- 375 (sequence 1)
- Language
- German
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Büch erscha u. 375 Werner Sombavi: Die Zukunft. der Juden. Leipzig. Verlag von Duncker & Humblot. 1912. Preis 2,50 M. Die Broschüre Sombarts hat — nicht zum mindesten dank der propagatorischen Tätigkeit ihres Verfassers — viele Federn unb Lippen in Bewegung versetzt. — Was ist die Arsache? - Ist für die Entwicklung der Iudenfrage irgend ein neuer wesentlicher, flammender Gedanke ausgesprochen worden? — Die Frage ist glatt zu verneinen! — Das Ungewohnte liegt nur darin, daß ein Nichtjude, ein Gelehrter von Bedeutung in seinem Spezialfach, sich jahrelang mit jüdischen Problemen beschäftigt und sich sodann für eine bestimmte — bereits bestehende — Richtung jüdischer Grupvenpolitik ausspricht. Bisher hörte man von nichtjüdischer Seite zu jüdischen Fragen entweder eine gelegentliche abträgliche oder auch aufmunternde Aeußerung, die sich aber kaum je auch mir bis zur Länge eines Leitartikels ausdehnte. In dem neuesten Werke Sombarts ist Lob und Tadel, Aufmunterung und Ablehnung dicht beieinander gelagert. Man beeilte sich von allen Seiten, dazu Stellung zu nehmen. Sombart äußert sich zu der Frage der Zukunft der Juden, d. h. zu den Entwicklungsmöglichkeiten jüdischer Politik, wie er selbst sagt, als „Mensch und Zeitgenosse", ohne Anspruch auf „Objektivität" zu erheben. Nicht der Wissenschaftler spricht in dem vorliegenden Werke, sondern der Politiker, und vom Standpunkt der Politik muß man zu ihm Stellung nehmen. Durch die ganze Schrift Sombarts tönt das hohe Lob von der jüdischen Intelligenz und Regsamkeit und die Empfindung, daß diese guten Eigenschaften, die nach seiner Meinung offenbar mit Schlacken vermischt sind, der nichtjüdischen Allgemeinheit schaden könnten. Er fürchtet die „Verjudung" des deutschen Geistes. Wenn nun Sombart für zionistisch gerichtete jüdische Politik eintritt, so muß er sie doch offenbar für einen Weg zur Erlösung von der „Verjudung" ansehen. Schon dieser eine sich mit Naturnotwendigkeit logisch aufdrängende Gedanke muß uns stutzig machen bei einem Begriff, der so aus dem Arsenal unserer Gegner entnommen ist wie der Begriff „Verjudung". Diese Empfindung steigert sich, wenn man sich vergegenwärtigt, in welch' despektierlicher Art sich S. — bei allem gelegentlichen Lobe — in seinem wissenschaftlichen Werke „Die Juden und das Wirtschaftsleben" über Juden, jüdische Art, jüdische Religion äußert. Wenn Weg und Ziel des Zionismus von dem Schöpfer des Zionismus, einer so hochgesinnten Persönlichkeit wie es tzerzl war, sicherlich edel erdacht und getätigt war, so kann bei Sombart kein Zweifel sein, daß er in diesem Wege aus gegnerischem Motiven ein Mittel zur Abschüttetung, zur Fernhaltung, zur Befreiung der deutschen Volksseele von der „Umklammerung