Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- Berlin
- Date
- 1912-07-01
- Page
- 357 (sequence 4)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 357 — Den neugegründeten Verband gegen Neber - yebung des Judentums bezeichnet der „Berliner Börsen« Courier" als ein „antisemitisches Früchtchen der Saurengurkenzeit" und fügt hinzu: „Natürlich ist auch hier die „Deutsche Tageszeitung" das Organ, welches den Aufruf veröffentlicht, nachdem er, wie behauptet wird, nur durch „Indiskretion" bekannt geworden sei. Sonst hätten diese antisemitischen Helden, unter denen die Namen der „Deutschen Tageszeitungs"-Männer Fritz Bl eh und v> Reventlow und des ,,Reichsöoteir''-Lhefredakteurs Kropatscheck voranstehen, lieber in her Stute unb Verborgenheit ihren Rassenhaß verbreitet. Was sie in dem Aufruf zu sagen wissen, sind antisemitische Anwürfe ältesten Kalibers ohne den Versuch neuer Gesichtspunkte. Die Macher sind bisher schon bekannte Antisemiten und Vertreter „deutsch-völkischer" und „alldeutscher" Gruppen." — Uebrigens haben auch die „Staatsbürger-Ztg.", die „Kreuz-Ztg." und der „Reichsbote" den Aufruf vollinhaltlich mit sämtlichen Unterschriften veröffentlicht, nachdem, wie sich das letztgenannte Blatt äußert, der nur für Mitglieder und Freunde bestimmt gewesene Aufruf durch groben Vertrau ensbruch oder Diebstahl unbefugt all zwei kleine Blätter geschickt und von diesen veröffentlicht worden war. — Zu den Anterzeichnern gehört, was keineswegs überraschend ist Herr v. Levetzow-Sielbeck, der auf der am 6. Juni in Detmold abgehaltenen Generalversammlung des Bundes der Landwirte sich als tüchtiger Antisemit hervorgetan hat. Nach einem Bericht der „Weser- Zeikung" sprach er über die Juden und deren Herrschaft über die deutsche Negierung und empfahl für die Nniversitätsgründung in Frankfurt a. M., diese Hochschule als Rniversität für das Judentum zu errichten mit der Verpflichtung, daß alle Juden dort zu studieren hätten." Für das Verlangen, den jüdischen Soldaten die Offizierslaufbahn nicht ferner zu verschließen, schlug er vor: „Man errichte ein jüdisches Husarenregiment, stecke alle Juden in dieses Regiment, lasse es aber im Falle eines Krieges in Frankfurt a. M. als Besatzung zurück." — Im vorigen Heft unserer Zeitschrift ist auf Seite 282 bei der Besprechung der Wehrvorlage gesagt 'worden: Der Zentrumsredner Trzberger habe behauptet, „die Fortschrittler seien in Militärfragen unzuverlässig, der Freisinn klage nur noch im stillen Schmerze darüber, daß der Sohn des schwerreichen Kommerzienrats Isidor Cohn noch nicht Leutnant bei den Gardehusaren sein könne." Danach könnte man annehmen, daß der Abgeordnete Grzberger damit seine eigene Meinung ausgesprochen habe, während sich aus dem stenographischen Bericht des Reichstages ergeben hat, daß, er nur auf Ausführungen des „Vorwärts" zurückgegriffen hat. Nach dem