Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-07-01
- Page
- 351 (sequence 5)
- Language
- German
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Amschau. 353 zillus der Korruption und Zersetzung hineinträgt". Welche Rollen solche Halbchristen in der sogenannten Berliner Bewegung und unter dem Anhang Luegers in der österreichischen Reichshauptstadt gespielt haben, ist bekannt und nur auffallend, daß selbst der Redaktionsstab der „Staatsbürger-Zeitung" und anderer Antisemiten-Blätter trotz dieser Angst vor dem „Bazillus der Krorupnon" oft mit solchen „arisch überzogenen Mischlingen durchsetzt war. Die Behauptung Heinrich Pudors: „Die Assimilierung ist eine grundsätzliche jüdische Forderung, die Ablehnung der Assimilierung eine grundsätzliche jüdische Forderung der Wirtschaftlichen Bereinigung", ist aus der Luft gegriffen. Die Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens geben dem Staate, was des Staates ist, verlangen aber, daß man ihnen alle bürgerlichen Rechte gewähre, ohne daß sie ihre religiöse Aeberzeugung verleugnen oder für das Linsengericht der auf die Taufe gesetzten staatlichen und gesellschaftlichen Prämien von Beförderungen, Pfründen, Ehrungen und Verschwägerungen mit geldhungrigen Edelleuten hingeben. Sie beklagen aufrichtiger als die Tivoli-Konservativen, Alldeutschen und radikalen Antisemiten solche Mischehen, durch die der jüdischen Gesamtheit wertvolle Intelligenzen und große Vermögen verloren gehen und häufig genug Mischlinge erzeugt werden, die trotz ihres ausgeprägten Typus nach der Auffassung des Kriegsministers v. Heeringen als Offiziere in einem Elitekorps die Front nicht verunzieren. Daß manche jüdische Eltern ihre Kinder und ihr sauer erworbenes Vermögen opfern, um sich in höhere gesellschaftliche Kreise einzudrängen, ist traurig; es hat sich in allen Fällen schwer bestraft, wa es sich nicht um reine Liebesheiraten gehandelt hat. Eine Besserung der Verhältnisse ist in bezug auf die im preußischen Heereswesen vorhandenes! religiösen Vorurteile zunächst ebensowenig zu erwarten, wie die Abnahme des alldeutschen Rassenfanatismus in mancher: einflußreichen bürgerlichen Kreisen. Bei der Offiziersbeförderung wird entgegen der Wallensteinschen Theorie noch lange nach dem Katechismus gefragt werden, wenn auch der Kriegsminister in der Reichstagssitzung vom 22. Mai sich dagegen verwahrt hat, daß bei den Offiziersaspiranten Unterschiede zwischen Christen und Juden gemacht werden, und versichert hat, daß er eingreifen werde, wo antisemitische Bestrebungen in der Armee hervortreten würden. Selbstverständlich werden sie sehr selten „greifbar" hervortreten. Den Rat des Abgeordneten G o t h e i n, den Kriegsminister, der die Eier- und Stotterertante als Hemmnis für einen jüdischen Offiziersaspiranten öffentlich gekränkt hat, wegen Beleidigung zn verklagen, wird wohl die Dame nicht befolgen. Der Vorwurf der Kränkung wegen „der Heilanstalt für Stotterer"