Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-07-01
- Page
- 350 (sequence 4)
- Language
- German
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350 Im deutschen Reich. Lums entpuppt und folgende Forderungen ausgestellt hat: „Den Juden bleiben alle öffentlichen Aemter verschlossen. Zum Dienste in Heer und Flotte werden sie nicht zugelassen. Sie-erhalten weder aktives noch passives Wahlrecht. Die Leitung von Theatern ist ihnen untersagt. Zeitungen, an denen Juden Mitarbeiten, sind als solche kenntlich zu machen. Banken dürfen keine jüdischen Leiter haben. Ländlicher Besitz darf in Zukunft weder in jüdischem Eigentum stehen, noch mit solchen Hypotheken belastet werden. Als Entgelt für den Schutz, den die Juden als Volksfremde genießen, entrichten sie doppelte Steuern wie die Deutschen/' Selbst die „Kreuz-Zeitung" hält diesen Antisemitismus für maßlos: denn sie sagt: „Diese Forderungen sind gewiß so populär wie der Märchentraum vom Tischleindeckdich, Eselstreckdich und Knüppelausdemsack. Aber ihrer Verwirklichung stellen sich doch einige ernstliche Hindernisse in den Weg." Selbst der konservative „Reichsbote", der mehr und mehr auf die antisemitische Kulturstufe heräbgesunken ist, meint, so weit wie „Daniel Freymann" nicht gehen zu können, und nur dem Vorschlag unbedingt zuzustimmen: „Der ganze standesbewußte Mittelstand, soweit er national ist und sich der jüdischen Vormundschaft entzogen hat, und die echte Aristokratie sollen im Bunde mit der nationalen Presse die rettende Tat unter der Führung der Krone vollbringen und unserem Volke die Reichsreform erstreiten." Der Rassenantisemitismus, den die konservative Presse nebenher pflegt, ist ihr nur ein Mittel; der Zweck ist die Proklamierung der Standesvorrechte auf Kosten der Krone und der Bürgerfreiheit. Dabei verhehlen sich die antisemitischen Kostgänger der Reaktionäre nicht, daß es eine rafsenreiue Ttxifiofxatie kaum noch gibt. In dem Artikel „Gesunkener Adel" haben die „Deutsch-Sozialen Blätter" eine lange Reihe von Verbindungen Hochadliger mit reichen Juden veröffentlicht und dazu bemerkt: „Warum scheidet sich unser Blut- und Schwertadel. nicht von den Schmalz- und Geldvons? Das Mischblut bildet immer ein revolutionäres Element, zersetzt die konservative adlige Gesinnung und damit den Adel selbst." Die „Staatsbürger-Zeitung" hat am 7. Juni einen haßsprühenden Artikel gegen die „Bastardrasse" gebracht, in dem sie die Halbjuden als „die gefährlichsten Feinde der arischen Völker" hinstellt, die belustigende Tatsache durch die Erklärung zugibt, daß „o f t genug ein mit semitischem Blute durchsetzter Bastard unter einem arischen Aeberzug seine jüdische Denkweise verbirgt, sich wohl gar als unser nationaler Kampfgenosse aufspielt und so schließlich in unsere eigenen engeren Reihen den Ba-