Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- Offener Brief des Kreisrabb. Dr. Beermann-Insterburg an Prof. Niebergall-Heidelberg
- Date
- 1912-07-01
- Page
- 343 (sequence 5)
- Language
- German
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Offener Brief usw. 343 II. Dieses geläuterte Gottbewußtsein der Propheten hat sich denn auch in den entsprechenden Forderungen sozial-ethischer Art ausgewirkt. Wir haben im Gesetze den deutlichen Reflex der von den Propheten erschauten göttlichen StrahlenMle. (Ls gilt hier das Psalmenwort: Licht ist ausgesäet für die Gerechten. Da lesen wir im sogenannten Bundesbuch Ex. 22, 20—26: Einen Fremdling sollst du nicht kränken und ihn nicht drücken, denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Aegypten. Witwen und Waisen sollt ihr nicht bedrücken. Wenn du sie doch bedrückest — und sie zu mir schreien, so höre ich ihr Geschrei .... Menu du pfändest das Kleid deines Nächsten, ehe die Sonne untergegangen, gib es ihm zurück, denn dies ist seine einzige Bedeckung, feine Hülle für seinen Leib, worauf sollte er schlafen? Wenn er deswegen zu mir schreit, so werde ich ihn erhören, denn ich bin erbarmungsvoll. Vgl. noch Ex. 23, 8—9. Da heißt es im Heiligkeitsgesetz, Lev. 19, 2: Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, Euer Gott, und daselbst Vers 9: Wenn ihr in eurem Lande erntet, so sollst du nicht ganz abernten das Ende deines Feldes und die Nachlese bei deiner Ernte nicht aufklauben. And in deinem Weinberge sollst du nicht Nachlesen und den Abfall in deinem Weinberg nicht aufklauben: dem Armen und dem Fremdling sollst du sie überlassen. Ich bin der Ewige, Euer Gott. Vers 16ff. b-etf. Gehe nicht als Verleumder umher unter deinem Volke, stehe nicht still beim Blute deines Nächsten. Ich bin der Ewige. Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen. Zur Rede stellen sollst du deinen Nächsten, daß., du nicht seinetwegen Sünde tragest. And die Vers 18 für den Volksgenossen mit den bekannten Worten verlangte Liebe: Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst, wird Vers 33 ausdrücklich auch für den Fremden gefordert: And wenn ein Fremdling in eurem Lande weilt, sollt ihr ihn nicht drücken, wie der Eingeborene unter euch sei auch der Fremdling, der bei euch gastet, und du sollst ihn lieben wie dich selbst,- denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Aegypten. Ich, der Ewige, bin Euer Gott. Denselben Geist der Milde und Gerechtigkeit atmet das deuteronomische Gesetz. Man lese nur einmal die Verse 10—22 im 24. Kapitel. lieber die Wirksamkeit der Propheten als Wecker des sozialen Gewissens und als Wächter der sozialen Gerechtigkeit, ist gerade von christlicher Seite soviel Treffliches geschrieben worden, daß. der bloße Hinweis genügt. Was man aber lange vor Hillel und Akiba, die bekanntlich in der Nächsten- und Gottesliebe mit Jesus das Wesen der Frömmigkeit erblickt haben, als die Hauptsache in der Religion erachtet hat, das zeigen Psalm 13