Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- Offener Brief des Kreisrabb. Dr. Beermann-Insterburg an Prof. Niebergall-Heidelberg
- Date
- 1912-07-01
- Page
- 341 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316817-2316824-2346192--22748-2346299- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Offener Brief usw. 341 deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Vermögen, oder Deut. 3,8: Wie ein Vater sein Kind, so erzieht dich der Ewige, dein Gott, zeigt die Erfahrung des Frommen in Ex. 33,19, der die Sündenvergebung seines Gottes erlebt, indem sich ihm Gott mit folgenden Worten in seinem grenzenlosen Liebeswalten erschließt: Ich lasse all meine Güte an dir vorüberziehen und begnade, wen immer ich nur begnaden kann, und erbarme mich, wessen immer ich mich erbarmen mag. Daß es diesem Gotte nicht um ein äußerliches opus operatum zu tun ist, sondern daß er der Gott der Gesinnung ist, der die rechte Herzensstellung verlangt, ergibt sich aus Hosea 2,21: „Ich verlobe dich mir auf ewig, ich verlobe dich mir durch Recht und Gerechtigkeit, ich verlobe dich mir durch Huld und Liebe und die rechte Gesinnung für den Herrn." Worauf es diesem Gotte vorerst und hauptsächlich ankommt, das haben die Propheten klar und wuchtig ausgesprochen. Amos 5, 23, 24. Schaffe fort von mir deine vielen Lieder, das Gespiel deiner Harfe mag ich nicht hören, aber es flute einher wie ein Strom das Recht, und die Gerechtigkeit wie ein sieghafter Bach. Hos. 12, 7. Kehre zu deinem Gotte zurück, wahre Liebe und Recht und hoffe auf deinen Gott ständig. Micha 6,8. Gott hat dir kündgetan, Mensch, was gut ist, waser von dir fordert. Recht tun, Liebe üben und in Demut wandeln mit deinem Gotte. Ier. 9, 22,23. So spricht der Herr, es rühme sich nicht der Weise seiner Weisheit und nicht der Starke seiner Stärke und nicht der Reiche seines Reichtums, sondern des rühme sich, wer sich dessen rühmen kann, einzusehen und zu erkennen, daß ich der Herr, Liebe, Recht und Gerechtigkeit übe auf Erden und daran Gefallen habe, spricht der Herr. Ier. 22, 16. Iosia sprach Recht für den Armen, das hielt er für gut, das ist auch die rechte Frömmigkeit, spricht der Herr. And dazu das lyrische Echo des 40. Psalms, 7, 9: Mahlopfer und Speiseopfer begehrst Du nicht. Gehorsam hast Du mir eingeprägt- Ganzopfer und Sühneopfer verlangst Du nicht. Deinen Willen zu tun, mein Gott, begehre ich und Deine Lehre ist in meinem Innern. And dieser Gott schwebte für prophetische Frömmigkeit nicht in weltentrückter Ferne, sondern zog mit seinen Verehrern auch durchs dunkle Tal der Leiden. Ier. 23,23. Fürwahr, ich hin ein Gott in der Nähe, und nicht bloß ein Gott aus weiter Ferne! Vgl. Psalm 145, 18. Dieses Propheten Leben hat ja die