Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- Jude sein heißt Kämpfer sein
- Date
- 1912-07-01
- Page
- 335 (sequence 3)
- Language
- German
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„Jude fein heißt Kampfer sein. 335 nicht unangenehm auszufallen. Natürlich bedürfen viele noch einer Erziehung und Berichtigung, wie es ja je nach Stand und Herkunft nicht anders möglich ist. Auch kann nicht oft genug daran erinnert werden, daß wir tausendmal mehr auf der Hut fein müssen als Andersgläubige in unserer Zurückhaltung und eigenen Beobachtung. Denn unser Bestreben ist es ja, als gleichartig von den anderen angesehen zu werden, und nicht als eine minderwertige Rasse, als Fremde. Ein Kardinalpunkt ist der Antisemitismus der Frauen, die in der jüdischen Frau etwas Andersgeartetes, Exotisches erblicken. Da ist es notwendig, besonders für die jüdischen Frauen, mit der größten Reserve und der bestmöglichen Anauffälligkeit aufzutreten, um auch uns in dem schweren Kampfe zu helfen, um wenigstens, soweit es geht, kleinliche Angriffe aus der Welt zu schaffen, die doch zuweilen eine große Rolle spielen dürften. Lin anderer Punkt, den ich hier noch erwähnen möchte, ist der ewige Vorwurf, den ich auch vor kurzem bei einer Statistik der Berufe las, baß, sich in Deutschland der Jude fast ausschließlich dem Kaufmannsberufe oder denjenigen Berufen widmet, die ein gutes Einkommen gewährleisten. Obgleich das, wenn es im allgemeinen stimmen würde, sich leicht aus bekannten Gründen erklären ließe, sind doch in letzter Zeit Bestrebungen geltend gemacht, die Juden auch anderen Berufen zuzuführen, vielfach mit gutem Erfolg. Indes muß darin noch viel mehr geschehen. Warum sollen die dazu Befähigten oder durch die Lage der Verhältnisse dazu Gedrängten nicht einem ehrsamen Handwerk sich widmen? zumal in den tiefen Schichten der Bevölkerung der Antisemitismus nicht die Rolle spielt wie in den höheren, und auch die Innungen heutzutage einem Juden keinen Stein in den Weg legen dürften. Warum haben wir so wenige Jünglinge, die die niedere Beamtenkarriere einschlagen? Wenn wir die Verhältnisse richtig ins Auge fassen und das Streben zeigen, uns durchzusetzen, ohne dabei unserer Würde etwas zu vergeben, bauend auf unser gutes Recht, dann wird und kann der Erfolg nicht ausbleiben. Dann haben wir es auch nicht mehr nötig, die zweifelhaften Reden jener Leute mit anzuhören, die am Judentum, das durch das Feuer der Jahrtausende gestählt ist, Herumkurieren und mit Gesundheitstränkchen kommen, obgleich sie nicht einmal den Grund des Nebels erkannt haben. Woher sollen denn auch die Sombart und Genossen ihre Weisheit schöpfen, da sie wohl theoretisch den Gründen nachgehen, vielleicht auch mit dem einen oder anderen Juden Gesellschaft pflegen, nie aber das wahre Wesen der Juden kennen gelernt haben? Vom grünen Tisch aus empfehlen sie alle möglichen Heilmittel, stellen Theorien aus, die wohl geistreich klingen und im ersten Augenblick frap-