Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1912-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1912) · p. 334

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1912)
Article
Jude sein heißt Kämpfer sein
Date
1912-07-01
Page
334 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
100% known words query
IRI
…/2316602-2316817-2316824-2346190--22738-2346292
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

334 Im deutschen Reich. De>: Jude, der nichts zu scheuen hat, braucht auch keine freie Aussprache zu scheuen über eine Sache, die ihm ernst und heilig ist, und sott jede geeignete Gelegenheit ergreifen, mittelalterliche Vorurteile zu zerstreuen und die Sonne der Wahrheit wieder durchdringen zu lassen. Es ist bereits anders geworden als früher, must aber noch ganz anders werden. Nachdem wir aus der Betäubung der achtziger Jahre erwacht sind und uns zur Abwehr zusammengeschlossen haben, ist es notwendig, unsere Mitbürger über das Wesen des Judentums aufzuklären, falsche Ansichten richtigzustellen, den goldenen Kern jüdischen Glaubens, jüdischer Sittenlehre, jüdischer Gesetze klarzulegen, damit unsere christlichen Mitbürger einsehen, daß auch nicht das geringste Geheimnisvolle oder Verdächtige in unserer Religio:: vorhanden ist. And was wir als einzelne Personen nicht in genügendem Maße vermögen, müssen unsere Korporationen — Verband der deutschen Juden, Lentralverein, Rabbinerverband — in öffentlichen Vorträgen und Zeitungsartikeln der Tagespresse zu ergänzen versuchen, damit Aufklärung auf der ganzen Linie herrsche. Speziell an die Herren Rabbiner richte ich die Aufforderung, daß sie beweisen mögen, daß man nicht nur nicht von einer Minderwertigkeit der jüdischen Lehre sprechen darf, sondern daß vieles, dessen sich die herrschende Religion rühmt und dessen Priorität sie beansprucht, der jüdischen Lehre entlehnt ist. Unendlich viele Vorurteile sind noch außerdem zu beseitigen, die aus dem jahrtausendelang geschürten Haß entstanden sind. Die Juden in Deutschland haben dieselbe Bildung wie ihre christlichen Nachbarn, haben sich herangebildet an den Geistesgrößen des deutschen Volkes, denken und empfinden deutsch und nicht international — wie der Vorwurf immer lautet — und ihre Wünsche und Bestrebungen gleichen denen ihrer Umgebung. Unarten und eigentümlichkeiten, die das Ghettoleben mit sich brachte, sind verschwunden. In Gewohnheiten, Sitten und Denkungsart ist vielfach der Jude von dem Christen kaum zu unterscheiden. Sein Rückgrat, das gebeugt war von der Not des Lebens und der Not des Ghetto, ist wieder aufgerichtet und gestärkt — niemand reizt ihn ungestraft; er fühlt, daß er sich wehren kann, und das Wehren kann ihm nur Ehren bringen. And dennoch vielfach Vorurteile, und dennoch immer wieder Mißtrauen, und dennoch die gewaltige Kluft, die sich in dem gesellschaftlichen Antisemitismus offenbart! Es ist sicher, unsere Glaubensgenossen sind durchdrungen von dem Wunsche, alles zu vermeiden, was irgendwie dem Namen der Juden Unehre oder auch unnütze Nachrede einbringen dürfte. In ihrem Auftreten, in ihrer Sprechweise, in ihrem ganzen Handeln und Treiben herrscht vielfach eine Vorsicht, die das Bestreben zeigt,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.