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Im deutschen Reich · 1912-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1912) · p. 330

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1912)
Article
Reichtum und Geisteskraft im deutschen Judentum
Date
1912-07-01
Page
330 (sequence 14)
Language
German
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330 Im deutschen Reich, wirksam, so kann der h eu t i ge. Zu stand n ur IX eb ergänz s e r s ch e i n u n g sein, und es muß auch wteber e t u c Z eit fommett, in b e r b i e sinkend e g einige K r a f t die wirtschaftliche Lage ungünstig beeinflußt, in der also zu dem geistigen Rückgang ein wirtschaftlicher treten muß. Die letzte Folgerung ist so selbstverständlich, bctfo sie keines besonderen Beweises bedarf; eine Schwächung der Konkurrenzfähigkeit bedingt naturgemäß im Erwerbsleben einen Abstieg. Vom „Ant er gang der deutschen Juden" wird gerade hundert Jahre nach der Emanzipation viel gesprochen und geschrieben. And was auch immer an Einzelheiten gegen die von Theilhaber verfochtenen Thesen vorgebracht worden ist, findet sich doch auch schon die Ansicht vertreten, daß rein zahlenmäßig das deutsche Judentum sich in einem Riedergange befindet. Ebenso wesentlich und ebensowenig zu übersehen ist aber auch die andere Seite des Problems, daß in geistiger und wirtschaftlicher Beziehung unsere engere Gemeinschaft derselben Gefahr ausgesetzt ist. Ohne die engen, teilweise auch angedeuteten Beziehungen zwischen den beiden Seiten der Antergangsfrage, der numerischen und der geistigen, irgendwie verkennen zu wollen, muß aber doch ein grundlegender Anterschied festgestellt werden. Die Verringerung an Zahl kann aus eigener, innerer Kraft des deutschen Judentums kaum aufgehalten werden, geschweige daß eine entgegengesetzte Bewegung sich erzielen ließe. Ebensowenig wie in Frankreich kann auch bei uns die Kinderzahl durch moralische und gemeinnützige Erwägungen und Ermahnungen beeinflußt werden. Gegen die Macht wirtschaftlicher Verhältnisse ist nun einmal mit idealen Motiven leider wenig auszurichten. Was aber die Verringerung an geistiger Kraft betrifft, so gehört nicht allzu viel Beobachtungsgabe zu der Erkenntnis, daß man es hier im letzten Grunde einfach mit einer neuen, gewichtigen Seite einer sonst altbekannten Erscheinung zu tun hat, auf deren Konto wir z. B. die unterwürfige Würdelosigkeit im Benehmen mancher Glaubensgenossen gegen Andersgläubige, überhaupt die Ansicherheir in der Stellung zur Außenwelt und alle jene anderen ähnlichen Antugenden zu setzen haben, die wir so scharf bekämpfen. Es ist die Tatsache nämlich, daß das deutsche Judentum nach seinem Eintritt in die Kulturwelt noch immer nicht die richtige Kulturgleichgewichtslage einzunehmen gewußt hat, daß ihm noch immer die rechte Sicherheit im Auftreten und die Fähigkeit, die Kulturerscheinungen ihrem wahren Werte nach zu erkennen, damit er sie abweisen oder annehmen kann, ein wenig fehlt. Jeder Befreiung aus einer Bedrückung folgen ja die

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