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Im deutschen Reich · 1912-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1912) · p. 329

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1912)
Article
Reichtum und Geisteskraft im deutschen Judentum
Date
1912-07-01
Page
329 (sequence 13)
Language
German
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Reichtum und Geisteskraft im deutschen Judentum. schen Schüler, die in früherer Zeit eine ganz erhebliche war, hat sich nicht nur relativ, was ja erklärlich wäre, sondern auch positiv stark vermindert, und der hervorragende Jude gehört heute ebenso zu den Ausnahmen wie einstmals der schlechte. Man kann nicht behaupten, daß, der Durchschnitt der jungen Menschen, die im kommenden Jahrhundert berufen sind, die Führer des Judentums zu werden, zu sonderlich angenehmen Zukünftsträumen Anlaß gibt. Irr vielen anderen einzelnen Erscheinungen des Lebens, aus die hier des Näheren nicht eingegangen werden soll, kommt bereits heute die Tatsache zum Ausdruck, daß, das deutsche Judentum in geistiger Beziehung nicht mehr vorwärts geht. Eine besondere Unterstützung findet dann noch diese Tendenz in der grassierenden Taussucht. Man würde die Taufgefahr falsch bewerten, wenn man sie in der Anzahl der Abtrünnigen suchte. Sie liegt weit mehr in dem Vertu st e an geistiger Kraft, und wenn wir auch den moralischen Eigenschaften der Täuflinge gewiß, keine Träne nachweinen, über den Ausfall an geistigen Werten können wir nicht hinwegsehen. Gerade bei uns in Deutschland ist der Prozentsatz der Akademiker in den Tausliften weit, weit größer als in der andern Bevölkerung, und was so vom Judentum abbröckelt) ist vom rein intellektuellen Standpunkt fühlbarer Verlust. Amgekehrt ist das Material, das in nicht unerheblicher Menge der jüdischen Religion aus Heiratsrücksichten und ähnlichen Motiven an Renegaten — leider — zugeführt wird, abgesehen von wenigen Ausnahmen, nie ein Gewinn, da es sozial und geistig meist den niedrigsten Volksschichten entstammt. Häufig erfolgt ja der Aebertritt in der Hoffnung auf materielle Anterstützung durch das Judentum! Mögen diese Faktoren nun auch an sich gering sein — zahlenmäßig werden bekanntlich die Taufverluste stets überschätzt — jedenfalls zeigen sie beide die gleiche Wirkung, die geistige Stärke des deutschen Judentums zu vermindern. So wird man denn zusammenfassend die innere Entwicklung des deutschen Judentums im Emanzipationsjahrhundert etwa so charakterisieren können: Durch die Emanzipation von den bis dahin lähmend wirkenden Beschränkungen befreit, führten die konzentrierten großen geistigen Kräfte das Judentum zu einer ungeahnten wirtschaftlichen Höhe. Diese hervorragend gute wirtschaftliche Lage beginnt aber Folgen zu zeitigen, die das geistige Niveau herabd rücke n, und dieses Ergebnis wird d urch den Amftand beschleunigt, daß, durch die Emanzipation wirksame Quellen der geistigen Kraft verstopft worden sind. Bleiben diese Tendenzen

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